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- Photography , Interview

Simple but significant

Sowohl in der Gastronomie als auch in allen Disziplinen des Designs beweist es sich oft als lohnenswert, so lange am gewünschten Ergebnis zu feilen, bis es sich wirklich rund und richtig anfühlt.

Ähnlich ging es mit ihrem Beruf auch der Fotografin Katharina Pflug, die nach einer klassischen Ausbildung und Tätigkeit als Werbefotografin noch nicht richtig zufrieden war; so setzte sie noch ein Designstudium mit Fotografieschwerpunkt obendrauf und entwickelte ihre Interessen speziell im Bereich Food weiter – bis sie schließlich eine Nische für sich gefunden hatte, von der sie heute sagt: »Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen!«

 

Wenn wir uns in der Redaktion das Ergebnis dieses gestalterischen Werdegangs ansehen – in Zeiten der Reiseeinschränkungen besonders sehnsuchtsvoll –, dann könnten wir uns auch beinahe nichts Schöneres vorstellen, als Katharina Pflug in den Süden Frankreichs auf ihre kulinarische Erkundungstouren zu begleiten. Beinahe unwirklich idyllisch liegt das Landschloss Chateau D'Orion, eingebettet in grüne Hügel, zwischen den Pyrenäen, dem Atlantik und Spanien. Den deutschen Schlossherren war bei dem ersten Besuch der Fotografin nicht entgangen, dass ihr Lebensgefährte Manuel Kohler leidenschaftlich als Koch arbeitet – und so kehrten die beiden mehrfach zusammen wieder, und ergänzten sich in der Küche und an der Kamera.

 

Katharina Pflug hat sich mit uns über diesen ungewöhnlich schönen Ort, ihre »Lieblingszutat« Licht und ihre daraus resultierende, besondere Bildsprache unterhalten.

novum: Katharina, was verbindet dich persönlich mit Frankreich und besonders dem Chateau d’Orion?

 

Zu meinen ersten Kindheitserinnerungen zählt der Duft der Wiesen auf denen meine Eltern und ich sitzen und Picknick machen - im Sommerurlaub in Frankreich. Meine Eltern waren schon immer sehr frankophil und das habe ich mit großer Begeisterung übernommen.
Die erste Anfrage des Chateau d'Orion für April 2018 kam aufgrund der Empfehlung einer Kollegin. Auch wenn die betroffene Zeit mitten in meine Vorbereitung für den Studienabschluss fiel, konnte ich nicht anders und habe zugesagt. Eine sehr gute Entscheidung. Mittlerweile ist eine tiefe Freundschaft entstanden zwischen den Schlossherren und mir sowie meinem Lebensgefährten Manuel Kohler. Er begleitet mich seit August 2018 immer und rockt die Schlossküche. Die Zeit dort ist immer wunderschön und das liegt nur am Rande an der traumhaften Kulisse. Das Schönste an diesem Ort sind die Menschen und ihre Art, anderen Menschen zu begegnen.

 

 

novum: Man sieht einen sehr ganzheitlichen Ansatz bei deiner Arbeit. Findest du, dass gestalterische Kreativität und innovative Kochkunst sich ergänzen?

 

Mein Lebensgefährte Manuel Kohler ist Koch mit Leib und Seele und wir sind beide immer wieder fasziniert, wie unsere Arbeit ineinander greift. Er fragt mich nach der Beilage zur gebeizten Forelle und ich ihn nach der Hintergrundfarbe zum Kirschkuchen, dabei zählt neben meinem Gaumen eben auch mein visuelles Empfinden und neben seinem Auge auch seine Erfahrung in der Küche. Das ist jetzt ein sehr konkretes Beispiel aus dem Privatleben, ich durfte aber im Allgemeinen feststellen, dass Köche und Köchinnen, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausüben, wunderbare Diskussionspartner für Gestaltung und Visuelles sind. Die Kreativität verbindet die beiden Sparten und es ist sehr schön so zusammenzuarbeiten.

novum: Wie würdest du deine Herangehensweise und deinen Stil bei der Fotografie beschreiben?



Bei der Foodfotografie ist für mich das Wichtigste, dass das Bild Hunger macht – Lust auf das was abgebildet ist. Dabei halte ich nicht viel von künstlichem Eingreifen in die Speisen auf dem Teller. Die Foodfotografie hat oft den Stempel »Haarspray und Lack« Mir ist besonders wichtig, dass man die Modelle auf den Tellern oder auf dem Tisch auch nach dem Shooting noch essen kann – aus Gründen der Nachhaltigkeit und weil ich einfach unfassbar gerne esse.
Grundsätzlich mag ich es gerne schlicht und natürlich, eine Kollegin sagte mal: Simple but significant. Das beschreibt meine Arbeit glaube ich sehr gut. Wenig Chichi und trotzdem irgendwie besonders. Wenn ein Koch mir voller Stolz seinen Teller hinstellt, versuche ich ihn so wenig wie möglich zu verändern und ihn in bestmöglicher Art und Weise festzuhalten. Das ist mein Ziel. Kulisse, Untergrund, Geschirr und Gericht können oft schon eine ganze Geschichte erzählen und wenn das funktioniert, freut mich das besonders.

novum: Hast du eine Lieblingszutat?

 

Das ist hart! Ich esse eigentlich alles und kann mich noch dazu schwer entscheiden. Ich liebe es einfach und natürlich. Eine Scheibe frisches Brot mit guter Butter und etwas Salz ist doch fantastisch! Wenn ich mich festlegen müsste wäre es vermutlich die Butter. Ja, ich liebe Butter.

Völlig fasziniert bin ich momentan aber auch von Mehl – mit Mehl und Wasser kann man köstliche Nudeln zaubern oder einen Sauerteig herstellen, um damit Brot zu backen. Zum Fotografieren brauche ich eigentlich nur eins: Licht. Am liebsten durchs Fenster, Hauptsache natürlich.

novum: Die Corona-Zeit hat uns kollektiv gezwungen, innezuhalten und uns zurückzuziehen. Wie hast du diese Phase erlebt?


Die Corona-Zeit und vor allem die damit verbundene Entschleunigung habe ich zunächst durchaus positiv erlebt. Ich versuche grundsätzlich recht bewusst und aufmerksam zu leben und zu arbeiten. Corona gab mir die Möglichkeit mich besonders sorgfältig um einzelne Aufträge zu kümmern. Doch natürlich habe auch ich Ausfälle zu beklagen, so wurde beispielsweise unsere eigene »Denkwoche« im Chateau d´Orion abgesagt. Eigentlich hätten wir im Mai eine Woche lang über Essen und Kulinarik philosophiert, gekocht, Märkte und Produzenten besucht und einfach eine gute Zeit gehabt. Jetzt wurde alles um ein Jahr verschoben und wir hoffen inständig, dass die Woche im nächsten Frühsommer stattfinden kann. Von daher wünsche ich mir, dass wir langsam wieder mehr Fahrt aufnehmen können und auch Produzenten und Restaurants die Krise als Chance begreifen, um zum Beispiel an ihrem visuellen Erscheinungsbild zu feilen...

 

 

 

Wer sich für die »Denkwoche« von Katharina Pflug und Manuel Kohler interessiert, kann sich hier für die Auszeit im Chateau d'Orion anmelden. Im Chateau d'Orion können Sie Seminare besuchen und wochenweise in verschiedenste Themen eintauchen: Überwiegend Philosophisches steht im Mittelpunkt, aber auch Kreativität, Wirtschaft und natürlich kulinarischer Genuss.