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- Graphic Design , Interview , Illustration

Interview mit Andreas Schanzenbach

Kreativität und Innovation sind fester Bestandteil der Cromatics DNA und gelebter Alltag: Die Innovationsagentur sucht permanent nach neuen Formaten und Projekten — egal ob Urban Art Wettkampf, Pop-Up-Store oder Konferenzen – und forscht zudem täglich nach den neuesten Trends der Kreativbranche. Mitgründer & Chief Innovation Officer Andreas Schanzenbach steht am 13. November 2019 als Speaker auf der Kongressbühne der ADC Design Experience in Stuttgart. In seiner Keynote gibt der Experte Einblicke und Denkanstöße zur Zukunft von Design und Kommunikation im Zeitalter von Social Media. Im Interview verrät er uns schon vorab, ob der Designberuf in 50 Jahren schon ausgesorgt hat und welche Designtrends in Zukunft den Ton angeben werden.

Andreas Schanzenbach

Gebündelte Expertise im neuen Modell

Wie kam es zur Gründung von Cromatics?


Die Wurzeln von Cromatics liegen Ende der 90er. Wir wollten einen Fanzine – ein Magazine von Fans für Fans – an den Start bringen, das sich mit der urbanen Kunst in Dresden, in Deutschland und der Welt beschäftigt. Dafür haben wir den Namen Cromatics gewählt, weil es im Französischen sowie im Englischen für Farbenlehre steht. Zehn Jahre später, als wir unser Magazin mehrfach herausgebracht, in London, Sydney und Osaka gewohnt und gearbeitet sowie die ersten Erfahrungen in Agenturen gesammelt haben, hat es sich richtig angefühlt zu sagen: »Hey, lasst uns unsere Expertise bündeln und ab sofort forschen, wie das neue Modell einer Kreativ-Agentur aussehen könnte.« Das haben wir 2008 mit der Gründung der Cromatics Agentur auch getan.

Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Trend für die Designbranche?

Der wichtigste Trend im Design – zumindest kein neuer Trend aus unserer Sicht – ist die nutzerzentrierte Entwicklung, immer noch als das Wichtigste, was im Design gibt. Hier geht’s uns vor allem darum, dass es sich bei der Lösungsentwicklung um die Interessen der Empfänger dreht und nicht nur um die Interessen des Senders. Diese sind natürlich Teil des Briefings – das ist der Ursprung der Aufgabe, aber wir sind davon überzeugt, dass die Lösung nur mit der »Brille« der Anwender bzw. der Nutzer entwickelt werden kann und dass diese dann auch funktionieren. Zumindest ist es so für uns so seit über zehn Jahren.

Andreas Schanzenbach

Nutzerzentrierte Entwicklung als wichtigster Trend im Design

Welchen Einfluss hat Instagram auf die Ästhetik und die Industrie heute?

Instagram, Social Media, die Medien beeinflussen tatsächlich jeden Aspekt unseres Lebens und der Gesellschaft. Daher muss man vielleicht gar nicht bei der Ästhetik ansetzen, sondern erstmal feststellen, wie es rein formal schon sehr schnell und immer wieder unsere Arbeit beeinflusst. Beispielsweise, wenn man heute Videomaterial generiert, dann denkt man es nicht mehr im 16:9 Querformat, sondern direkt im Quadrat sowie im Hochformat. Und das ist vor allem auf Instagram zurückzuführen.
Ästhetisch unterliegt es natürlich grundsätzlichen Trends, die inzwischen in beide Richtungen wirken: sowohl das echte Leben beeinflusst, was und wie wir auf Instagram sehen und konsumieren. Andersherum schwappen auch viele Dinge aus den Sozialen Medien in die echte Welt. Das sieht man oft bei Film- oder Musikvideo-Produktionen und vor allem bei Kunstwerken. Ich habe die ersten zeitgenössischen Kunstwerke gesehen, die sich viel mit Instagram oder Social Medien beschäftigt haben, die schon zehn Jahre alt sind. Da war Social Media noch nicht so ein großes und etabliertes Thema. Aber die Künstler haben schon damals gesehen, was die Zukunft beeinflussen wird. Generell kann man sagen, dass man nie schlecht beraten ist, vor allem wenn es um die Zukunft geht, sich Künstler*innen anzuschauen und inspirieren zu lassen.

Das Zeitalter der Mensch-Maschine-Interaktion beginnt erst

Hat der Designberuf, wie er heute existiert, in 50 Jahren ausgesorgt?

Wenn man über die Zukunft von Designberufen spricht, wäre es fast schon spannend zu diskutieren, was denn überhaupt das Verständnis vom Designberuf heute ist. Wenn man es auf den Kern bezieht, was es bedeutet, dass ein Designer sich mit der Funktion eines Objekts auseinander setzt und dessen Interaktion mit dem Benutzer, dann ich, dass wir sogar noch viel mehr Designer brauchen werden.

Das heißt, der Aufwand und die Dinge, die man gestalten muss werden immer mehr als weniger. Ich halte ähnlich viel von Polarisierung, also von Extremen, von schwarz und weiss. Denn wie wir alle wissen, es gibt mindestens „Fifty Shades of Grey“ dazwischen. Deswegen wird es noch ganz klar das Handwerk geben, allein aus dem Grund, weil die Dinge ja nicht komplett verschwinden, sondern manche Menschen noch ganz bewusst auf Manufaktur gefertigte und analoge Tools setzten werden.
Auf der anderen Seite werden wir natürlich viel mehr digitale Experience haben, die designt werden müssen. Sei es in der Mixduality oder Bots sowie Algorithmen mit KI oder ohne KI, die die Mensch-Nutzer-Kommunikation entwerfen und gestalten. Es wird sich in jedem Fall weiter entwickeln, so wie man heute nicht mehr Matte Painting mit einem Pinsel auf der Scheibe macht, sondern inzwischen im Photoshop.

 

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