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- Books , Illustration

Calpurnias Tierstation

Mit »Calpurnias Tierstation« ist im Hanser Verlag nun eine neue Kinderbuchreihe gestartet. Zusammen mit ihrem Großvater entdeckt die vierzehnjährige Callie die Natur und lernt viel über Biologie und die Lebensweise von Tieren, schließlich möchte sie einmal Tierärztin werden – kein naheliegender Berufswunsch für ein Mädchen um 1900. 

Wir sprachen mit Alexandra Prischedko, die das Buch illustriert hat, über das Projekt, über ihre Arbeitsweise und darüber, was Buchillustrationen so besonders macht. 

Die gebürtige Ukrainerin Alexandra Prischedko arbeitet als Kommunikationsdesignerin und Illustratorin und lehrt derzeit an der Hochschule Trier Typografie und Gestaltung. In »Calpurnias Tierstation« konnte die Gestalterin nun ihre Talente gesammelt zu Einsatz bringen. Wir wollten von ihr wissen, wie sie an das Projekt herangegangen ist, wie ihre Bilder entstanden sind und worin ihre Stärken und Schwächen liegen.

 

 

Sie sind Kommunikationsdesignerin, wie kam es, dass Sie nun eine Kinderbuchreihe illustrieren?

In meinem Kommunikationsdesign-Studium war Illustration immer Bestandteil meiner Arbeit. Ich kombiniere gerne mehrere Gestaltungsdisziplinen miteinander. Die Illustration bietet die Möglichkeit, lebendige Momente, Spontanität und flüchtige Augenblicke auf echte Art festzuhalten und sie anderen sichtbar zu machen. Die Illustration ist etwas komplett eigenes, während man im Grafikdesign auch mit Material von anderen Gestaltern arbeitet, wie zum Beispiel mit Schriften oder Fotos. Illustration ist die aktuelle Emotion in der Gestaltung. Eine Zeichnung ist wie der Sprung eines Tänzers auf der Bühne, jedes mal das Original, jedes Mal fokussiert auf die Stimmung.

Ich wollte nach dem Studium zudem einfach dran bleiben, denn Zeichnen verlernt sich wie Sport. Im Kinderbuchbereich gibt es viele Möglichkeiten und Themen zu illustrieren und hier habe ich die Chance gesehen, mich in diesem Bereich weiter zu entwickeln. 

Geht man als Grafikerin mit einem anderen Blick an eine Illustration heran?

Oft sehe ich eine Illustration nicht als abgeschlossenes Bild, sondern als ein Teil eines Gestaltungskonzeptes. Für mich steht eine Illustration im Kontext mit anderen Bildern im Buch, in einem Magazin oder einer Zeitung. Ich versuche die Gesamtkomposition und den Rhythmus des Buches, nicht nur die Komposition auf dem Blatt, im Auge zu behalten. Die Buchgestaltung, das Layout und die Typografie sind Teil der Illustration, da sie gleichzeitig gesehen werden. 

 

 

Wie sind Sie ganz grundsätzlich an dieses Projekt herangegangen? Gab es Vorgaben oder konnten Sie die Figuren frei entwickeln?

Meine Vorgabe war der Text. Die Figuren, das Ambiente, die Tiere und Orte konnte ich nach meinem Textempfinden gestalten. Zwischendurch gab es immer mal wieder Rücksprache mit dem Hanser Verlag. Aber ich war schon sehr frei beim illustrieren und der Verlag auch sehr offen dafür.

 

 

Wie entstehen Ihre Bilder?

Bevor ich anfange zu zeichnen, wähle ich Textstellen, die ich akzentuieren und illustrieren möchte und entwickle ein grobes Storyboard. Dann beobachte ich meine Umgebung mit einer Idee im Hinterkopf und versuche, mir eine Komposition zusammenzustellen, die mir authentisch erscheint. Da die Handlung in »Calpurnias Tierstation« um 1900 spielt, habe ich mir einiges aus dieser Zeit in Museen angeschaut. Die Komposition skizziere ich in mehreren Varianten, um gestalterische Fragen zu klären und Akzente zu setzen. Bei der Reinzeichnung ist vieles schon geklärt und ich konzentriere mich auf das Gefühl, die Emotion, die in der Zeichnung transportiert werden soll.

Überwiegend zeichne ich mit Bleistift, Buntstift und Pastell. Stifte reagieren gut auf Druck, Winkel und lassen sich in ihrer Form leicht individualisieren. Gerne lasse ich die Materialspuren, Schraffuren, Hell-dunkel-Unterschiede in der Linie und leichtes Krümmeln der Farbe in einer Zeichnung stehen. Ich finde, das gibt der Illustration Haptik und Glaubwürdigkeit.

In »Calpurnias Tierstation« geht es kurz gesagt um Kinder, die kranken Tieren helfen. Wie vermeidet man es bei einem solchen Thema, das die Zeichnungen allzu glatt und süß wirken?

Die Tierzeichnungen sind aus der Beobachtung der Natur entstanden. Tiere zeigen ihre Emotionen nicht wie Menschen durch ein Lachen zum Beispiel. Sie haben andere Ausdrucksweisen dafür. Wenn man den spezifischen Charakter einfängt, kann das Glatte und Süße vermieden werden und trotzdem eine Sympathie zu dem Tier aufgebaut werden. Auch habe ich keinen glatten Zeichenstil, würde ich sagen. Ob bei den linearen Zeichnungen oder den flächigen Vignetten sieht man immer die Machart, den Strich, das Material mit dem gearbeitet wird. Dadurch bleibt die lockere Skizzenhaftigkeit erhalten, was der Zeichnung Lebendigkeit und Spontanität gibt.

 

Hatten Sie beim Zeichnen einen bestimmten Leser oder Lesertyp im Kopf?

Ja unbedingt. »Calpurnias Tierstation« ist ein Kinderbuch. Die beiden Hauptcharaktere Calpurnia und ihr Bruder sind 14 und 8 Jahre alt. Das Buch wird zum Vorlesen ab 6 Jahren vorgeschlagen. Diese Zielgruppe hatte ich im Kopf. Manche Illustrationen haben einen visuell-erklärenden Charakter. Zum Beispiel kommt ein Distelfalter darin vor. Für die Kinder habe ich ihn einmal so klar sichtbar, detailliert und vergrößert illustriert, dass sie diesen Schmetterling verstehen und von anderen unterscheiden können, nach dem sie das Buch gelesen haben. 

 

Haben Sie eine Lieblingsfigur im Buch?

Calpurnia ist ein faszinierendes Mädchen mit modernen Vorstellungen zum Frauenbild ihrer Zeit und zur Natur. Ich bewundere ihre mutige und experimentierfreudige Art, ihrer Umwelt zu begegnen und sie neugierig und aufmerksam zu hinterfragen. Ihr Opa, der Wissenschaftler und ihr Unterstützer, bringt spannende Theorien zur Natur und Tierwelt in die Geschichte ein. Die Mutter spiegelt die Zeit um 1900 wieder. Die Figuren, die vorkommen bereichern und stärken sich gegenseitig und lassen die anderen Charaktere noch mehr zum Vorschein kommen. 

Der Kinderbuchillustrator Axel Scheffler wurde neulich in einem Interview gefragt, was er besonders gut zeichnen kann (Eichhörnchen) und was nicht (Autos). Was liegt Ihnen und was eher nicht?

Lustig, Autos kann ich auch nicht spontan gut zeichnen. Ich male und zeichne gerne Menschen in ihrem Alltagsleben, Tiere, Zwischenmomente, »unfertige« Handlungen, Tänzer und tanzende Menschen, Bewegung, Lebendigkeit. Was ich viel gesehen und verstanden habe, zeichne ich besser als mir unbekannte Gegenstände und Situationen. 

 

Im Herbst wird der zweite Band von »Calpurnias Tierstation« erscheinen. Wie wird es dann für Sie weitergehen, gibt es ein Traumprojekt?

Was die Illustration betrifft, möchte ich als nächsten Schritt sehr gerne ein Bilderbuch illustrieren, da hier die Illustration im Vordergrund steht, was ich bisher so noch nicht hatte. Als Kommunikationsdesignerin ist mein Traumprojekt im kulturellen Bereich zum Beispiel für Theater oder Museen an Editorial- und Corporate Design zu arbeiten. 

 

 

Calpurnias Tierstation – Ein neues Lämmchen

Jacqueline Kelly

empfohlen ab 7 Jahren, 72 Seiten, Hanser Verlag, fester Einband, ISBN 978-3-446-25869-3, 10 Euro (D)

 

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