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- Graphic Design , Illustration , Photography , Typography

Jetzt dabei sein: Stadt.Land.Schluss!

Die Entwicklung von Städten, dem Umland und dem Land liegt in vielen Händen und ist vor allen Dingen für Designer ein großes Thema. Am 8. bis 10. November gibt es in Marktoberdorf die – in dieser Form wohl einmalige – Gelegenheit, mit Kreativen aus allen Bereichen, aber auch mit Engagierten aus anderen Branchen vom Bio-Bauern bis hin zum Whiskey-Brenner ins Gespräch zu kommen, Vorträge zu hören, aber auch miteinander zu feiern. Wir sprachen mit Initiator Andreas Koop über das spannende Konzept der Stadt.Land.Schluss. Und mit etwas Glück sind Sie gratis mit dabei – am Ende des Beitrags finden Sie Informationen zum Gewinnspiel!

Erzähle uns doch ganz kurz und für alle, die die erste stadt.land.schluss. verpasst haben, welche Überlegungen zu dieser Konferenz geführt haben.


Es ist die allgemeine Veränderung auf dem Land: Denn das ist entweder zunehmend übernutzt, oder verlassen – doch nach wie vor kümmern sich »alle« um die Stadt. Auf dem Land findet Entwicklung weiterhin eher »rückwirkend« statt: in den letzten zehn Jahren hat sich dieses und jenes verändert – wollte das eigentlich irgendwer? Dabei leben wir ja in einer von Menschen für Menschen gemachten Welt! Sogar das, was wir »Natur« nennen, ist in Deutschland zu 99% vom Menschen gestaltet und geformt. Wenn wir die (Um)Welt also ständig entwerfen, impliziert das: Wir müssen sie besser gestalten! Also sensibler, ökologischer, nachhaltiger, fairer, gerechter, barriereärmer … Gestalterinnen und Gestalter, insbesondere in Design, Architektur, Städteplanung ist diese Haltung, diese Tatsache meist bewusst – doch warum spürt man so wenig Positives? Und eben erst recht auf dem Land. Wo sind die Gestalter? Und was kann man überhaupt anders oder neu gestalten? Diese Fragen führten schließlich zum »Medium« Konferenz – ein für uns eher ungewöhnliches, aber passendes. Design muss eben über schöne Broschüren und coole Websites hinaus denken, wieder politisch werden, kritisch sein, sich einmischen – aber auch Lösungen bieten.

 

Das Programm ist auch dieses Jahr wieder transdisziplinär angelegt – zu Wort kommen nicht nur Gestalter, sondern auch ein Bio-Bauer, ein Whiskey-Brenner und sogar ein Pfarrer. Ist das »Über-den-Tellerrand-Schauen« etwas, das wir in der Gestaltungsbranche generell noch intensivieren müssen?


Das disziplinenübergreifende ist sozusagen programmatisch. Weil auf einmal klar wird, dass man nicht allein auf der Welt ist, aber auch, was es alles »außerhalb« des Designs gibt und was gleichermaßen in/direkt auf es einwirkt. Beispielsweise wurde bei »Stadt.Land.Schluss.« viel von kollektiven Entscheidungsprozessen, von Schwarmintelligenz und Partizipation in der Architektur gesprochen. Und dann kam ein Imker und erklärte en detail den Schwarmprozess bei den Bienen – wann und wie wird eine Entscheidung getroffen, wenn es keine »Entscheider-Instanz« gibt. Um auf die Frage zurückzukommen, ja, wir sollten viel öfters nach außen schauen und weniger auf Instagram!

 

Die meisten Menschen leben und arbeiten in Städten und sehen das Umland als reines Erholungsgebiet an – ansonsten kümmern sie sich nicht weiter darum. Euer Studio ist mitten im Allgäu ansässig: Wie erlebt man das Verhältnis Stadt-Land aus Eurer Warte? Büßt das Umland an Lebensqualität ein, wird es vernachlässigt?


Wie man es nimmt – es wird ja immer betont, dass heute schon mehr als die Hälfte der Menschen in Städten leben. Aber das heißt, die andere lebt auf dem Land! Und das wird zunehmend von Bedeutung sein: dort ist der Raum für Erholung, richtig, dort werden die Lebensmittel hergestellt (nicht über »urban gardening«) und dort ist noch Platz. In München beispielsweise wird in wenigen Jahren nur mehr etwas Neues gebaut werden können, wenn etwas Altes abgerissen wird! Deshalb nimmt die Landeshauptstadt auf einmal die »Europäische Metropolregion« wieder sehr ernst. Wer wie wir in einem Dorf wie Rückholz lebt, hat ausgeprägte Vor- und Nachteile (wie vermutlich alle!) – es gibt kaum öffentliche Verkehrsmittel, wenig »Bio« (eigentlich ja absurd!) oder schöne Cafés, Kunst und Kultur haben wenig Stellenwert. Und leider dringt die industrielle Landwirtschaft bis an die Berge vor – das ist zusammen mit dem Verkehr wohl die größte Beeinträchtigung der Lebensqualität.

 

»Kann man ein gutes Leben gestalten?« – diese Frage ist übergreifendes Thema der Konferenz. Beleuchtet werden soll, was Design, Architektur, Kunst und Kultur für die Entwicklung des ländlichen Raumes beitragen können. Haben sich bei der ersten Durchführung der Konferenz schon Ansätze herauskristallisiert?


Diese Frage nehmen wir auch wirklich ernst, und zwar in zwei Dimensionen: was heißt denn eigentlich gut? Und wie weit kann man (Leben, Umwelt) gestalten? Weil solche Fragen, solche Mottos ja selten wirklich Ernst genommen werde, habe ich dieses Mal etwas stärker »kuratorisch« eingegriffen! Aus der ersten Veranstaltung entstanden viele Kontakte unter den TeilnehmerInnen, ich hörte, dass Brigitte Hartwig aus Dessau an einem Dorfentwicklungsprojekt in Tirol mitarbeitet, wo auch Thomas Parth engagiert ist und der auch Sprecher war. Es folgten verschiedenste Einladungen zu Vorträgen von und für und durch eine Reihe von SprechernInnen und TeilnehmerInnen … 

 

Letztlich ist aber auch die Stadt ein Thema, die sich über das ländliche Umfeld versorgt. Haben wir das Gefühl für diese wechselseitige Bereicherung einfach verloren?


Ein Stück weit schon – vermutlich, weil man die Dinge eben oft getrennt betrachtet. Dabei weiß man ja schon lange, dass irgendwie ja alles mit allem zusammenhängt. Für viele auf dem Land hat die Stadt etwas bedrohliches, anders herum romantisiert man das Dorf wieder. Kilian Stauss, einer der Sprecher sagt sinngemäß: die Frau auf dem Dorf liest »Cosmopolitan« und trinkt einen Latte Macchiato, die in der Stadt hat ein Lamsdorfer Dinkelbier und die »Landlust« auf dem Tisch! Dabei muss man sehen, dass der größte Bereich wohl der zwischen Land und Stadt ist (um die gewohnte Reihenfolge einmal zu stören!) – die Frage ist dann eher, vereinen sich dort die jeweiligen Vor- oder Nachteile? Im Ernst, jedes größere Dorf, jede kleinere Stadt ist im Grunde ein »sowohl als auch« oder »weder noch«. In der Tendenz ist dabei die Stadt viel eher wirklich Stadt, als das Land (noch) wirklich Land ist. Etwas Realismus jedenfalls, was die Situation und die Potenziale angeht, würde vermutlich nicht schaden!

 

Die Konferenz selbst findet im beschaulichen Marktoberdorf statt – mit großartigem Rahmenprogramm und viel Raum für Austausch und einem Live-Konzert von Koflgschroa. Auch ein Signal an die »Städter«, dass das Umland etwas zu bieten hat?


Der Ort ist, unabhängig davon, dass er sehr schön ist, ebenfalls im höchsten Maße programmatisch. Ich möchte natürlich zeigen, dass auch in der Provinz so etwas möglich ist, möchte »die Stadt« einladen »aufs Land« zu kommen – und eine gute Zeit zu haben. Man kann irgendwie in München nicht über die Entwicklung auf dem Land reden. Und gleichzeitig ist es natürlich auch ein »Lebenszeichen«, eine Einladung oder Gelegenheit, Vorurteile zu überwinden … und das sollte hier sehr leicht fallen! Alle, wirklich alle TeilnehmerInnen haben davon geschwärmt, wie schön der Platz war, der Raum, die Zeit miteinander, bereichert eben durch so etwas wie ein »Kofelgschroa«-Konzert. Wir werden deshalb auch dieses Mal wieder miteinander zuhören, reden, essen, trinken, tanzen, Musik hören … und nicht nur viele Informationen, sondern auch Eindrücke und einen »guten Spirit« mitnehmen.

Kofelgschroa

 

Und last, but not least: Warum liegt Dir persönlich diese Thematik so sehr am Herzen?



Ich lebe hier auf dem Land – und verzweifle natürlich nicht selten. Aber der Fluchtreflex sollte nie größer sein, als der Wille und die Entschlossenheit, etwas zum Positiven hin zu verändern. Und zwar dort, wo man ist, denn nirgends ist es für einen vermutlich schwerer! Dabei vereinen sich aber – auf eigentlich sehr schöne Weise! – unsere persönliche Haltung und die des Gestalters. Und dieser Begriff ist ja fast schon ein Imperativ.


Informationen und Anmeldung zur Konferenz unter: www.stadt-land-schluss.eu

 

Gewinnspiel: Schicken Sie uns bis 17. Oktober eine Mail an redaktion@novum.graphics mit dem Stichwort »Stadt Land Schluss« und gewinnen Sie mit etwas Glück ein Drei-Tages-Ticket inkl. Konferenzverpflegung. Wir drücken die Daumen!