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- Photography

About us: Junge chinesische Fotografie

Ausgerechnet Mitte März diesen Jahres, als just in Deutschland der allgemeine Lockdown ausgerufen wurde, lud die Alexander-Tutsek-Stiftung in ihrer denkmalgeschützten Jugendstilvilla in München-Schwabing zur Ausstellungseröffnung ein; die Vernissage wurde selbstverständlich abgesagt. Trefflicherweise sollte das Thema die junge Fotografie aus Chinas sein, als Beitrag zum Diskurs über ein Land, das zunehmend als wirkungsvolle globale Macht in Erscheinung tritt – und plötzlich jedoch vorwiegend wegen Corona-Schlagzeilen in der Presse auftauchte.

Ren Hang – Untitled 10, 2011

Eine neue Generation

Umso schöner, dass Wochen später die Stiftung doch ins ehemalige Bildhauer-Atelier zu Gast laden konnte und dort Bilderwelten Chinas präsentierte, die in der westlichen Hemisphäre kaum bekannt sind. Auf den ersten Blick sind die Unterschiede sowohl technischer Natur, als auch die Motive betreffend. Arbeiten von Nachwuchsfotografen wie Ren Hang, Adou, Birdhead, Cai Dongdong, Chen Ronghui, Chen Wei, Gao Mingxi, Jiang Pengyi, Liang Xiu, RongRong, Wang Ningde, Yang Fudong und Zhang Xiao geben einen Einblick in deren komplexe Gefühlswelten als eine Generation, die stärker als die vorherige die Fotografie als ihr Medium nutzt.

Rongrong – Inri Liulitun, Beijing, 2003

Jenseits von Propaganda und Ideologie

Nach dem Ende der Kulturrevolution in China hatten Kunstschaffende in den 1980er und 1990er Jahren einen massiven Wandel vollzogen und trieben neue Konzepte voran, die sich stark vom zuvor vorherrschenden sozialem Realismus absetzte. Mit weitestgehend künstlerischer, experimenteller Fotografie versuchten sie, Propaganda und Ideologie hinter sich zu lassen, und entwickeln sich mit dieser Motivation bis heute weiter. Das klingt erst mal rebellischer als es ist – die Themen unterscheiden sich im Wesentlichen nicht groß von zeitgenössischen europäischen oder nordamerikanischen Fotokünstlern: Alltag, Selbstwahrnehmung, Körper und Individualität, Träume und Visionen, Suche nach der Identität, Neugierde, Lebenslust und Coolness, mal in dramatischer Inszenierung, mal doppelt belichtet auf abgelaufenen Filmen, mal in dokumentarischem Schwarzweiß.

Chen Wei – Dance Hall Blueness, 2013

Ein breites Spektrum

Die Stiftung wurde gegründet von Unternehmer Alexander Tutsek, unter anderem auch, um junge Kunst zu fördern. Mittlerweile ist seine Witwe, die Psychologin Eva-Maria Fahrner-Tutsek als geschäftsführende Vorstandsvorsitzende für die Förderung von Kunst und Wissenschaft tätig, in ihrer international ausgerichteten Sammlungstätigkeit konzentriert sie sich auf zeitgenössische Fotografie und Skulpturen, insbesondere aus dem Material Glas. Auch der Nachwuchs- und Institutionsförderung hat sich die Stiftung verschrieben, so ist sie maßgeblich am Fotoprogramm im Haus der Kunst, C/O Berlin und der Pinakothek der Moderne zuständig.

 

Ein ungeheuer breites Spektrum, das die Stiftung da mit »About Us« erworben hat: siebzig Fotografien junger chinesischer Künstlerinnen und Künstler, die eigens für die Sammlung angekauft wurden – komplexe, experimentelle und konzeptuelle Arbeiten, die seit den 1990er Jahren bis heute entstanden sind. Prädikat: sehr sehenswert!

 

 

About Us. Junge Fotografie aus China
Alexander Tutsek-Stiftung,
noch bis 29. Januar 2021,

Eintritt frei

Jiang Pengyi – Everything Illuminates No.3, 2012