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Die 25 »Schönsten Deutschen Bücher« 2020

»Im 7. Bücherhimmel: Vier intensive Tage in Frankfurt, die trotz der aktuellen Situation ein Miniatur-Buchmessengefühl auslösten. Vor allem in der Begegnung – wenn auch auf Abstand, den großartigen Gesprächen und Diskussionen über Verlage, Herstellung, Buchhandel und Gestaltung mit meinen Jurykollegen. Der differenzierte Perspektivenwechsel und die intensive Betrachtung der Dinge sind gerade in diesen Zeiten etwas ganz Besonderes!«


So beschrieb das Jurymitglied Romy Pohl das aufwendige Verfahren, mit dem 11 Jurorinnen und Juroren die 660 Einreichungen bewerteten. Am 15. Juni wurden die Gewinnerbücher von der Stiftung Buchkunst über den Instagram-Account von ocelot Berlin öffentlich vorgestellt – und so wie wir als Redaktion das sehen, hat sich die Mühe mehr als gelohnt: Die diesjährigen Siegerpublikationen sind wirklich außergewöhnlich schön.

Vorbildlich in Gestaltung...

... Konzeption und Verarbeitung – so lauten die Kriterien der 25 ausgewählten Bücher, die nicht nur ein großes Spektrum gestalterischer Möglichkeiten, sondern auch herstellerischer Finesse aufweisen. Und die kommen manchesmal ganz subtil daher, wie bei Karen Köhlers Roman »Miroloi«, deren bibliophiler Bucheinband geheimnisvoll aquarellierte Verläufe in Tintenblau aufweist, als Schaumkanten horizontaler Meereswellen. Zudem verfügt das Buch über eine Art »Scheinrücken«, so dass man es mit seinem technischen Rücken ins Regal schieben und den Buchtitel dennoch lesen kann. Ein Vorderrücken, quasi.

 

Das Buch »Draußen gehen« von Christian Sauer, das aufmerksame Leser vielleicht schon aus unseren Rezensionen kennen, ist im Verlag Hermann Schmidt erschienen und besticht durch ganzseitige Illustrationen, sachte übereinandergedruckt in vier Sonderfarben, sowie einen angenehm weit oben sitzender Satzspiegel, der Luft zu Atmen lässt. Eine Publikation, die sich unserer Meinung nach gut und gerne mit ins Grüne nehmen lässt. Die Stiftung Buchkunst findet das auch: »Gedanken kommen oder gehen zu lassen, sie sogar zu fassen und gar feinzuschleifen – das geschieht am ehesten durch aufrechten Gang, der womöglich ersten Kulturtechnik des Menschen. Dazu will dieses Buch einladen – in allen seinen Aspekten.«

Klein aber oho!

Obschon das Büchlein »Treppauf – Treppab, Stuttgarter Stufennotizen« nur 11 mal 15 Zentimeter misst, steckt viel Konzept und Grips darin: Die beiden Künstlerinnen Christina Schmid und Sabine Fessler haben sich in Stuttgart umgesehen und besonders die ursprüngliche Infrastruktur der Rebgärten inspiziert. 400 getreppte Wege, genannt Staffeln, bilden den Inhalt ihres Kunstbuchs ab, das sie mit rotem Heftfaden, roten Ein- und Ausstiegseiten, roten Seitenzahlen und einer sophistischen Verweistypografie ausstatteten. Klein aber wow!, und ein verdienter Sieger der Kategorie »Ratgeber«. Erschienen ist das Buch bei Prima Publikationen.

 

Als weiterer Winzling im Programm präsentiert sich »Baedeker's Handbuch für Schnellreisende«, ein 10 auf 15 Zentimeter kleines Exemplar in leuchtendem Weinrot mit neonpinkem Farbschnitt, der die antiquarische Anmutung konterkariert. Ursprünglich war das »Handbuch für Schnellreisende« im Jahr 1835 als Prototyp der modernen Reiseliteratur bekannt, nun verbindet es traditionsreiche mit neumodischen Komponenten – absolut gekonnt!

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In der Rubrik »Allgemeine Literatur« ist ein Buch erschienen, das uns wortverliebter Redaktion besonders taugt: »Die Wunderkammer der Deutschen Sprache«, herausgegeben von Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer, in das wir uns stundenlang vertiefen könnten. Der Untertitel der Publikation lautet »Gefüllt mit Wortschönheiten, Kuriositäten, Alltagspoesie und Episoden der Sprachgeschichte«, das trifft es perfekt. Im Innenteil sprudelt uns eine vielgestaltige Typografie entgegen, in der Erklärung der Jury heißt es dazu: »Ihr Werkzeug ist eine klassizistische Antiqua, in Zeiten der Aufklärung die aufrechteste Schriftart, die die Schwarze Kunst zu bieten hatte. Das flammende Engagement drückt sich in intensivem Gebrauch der Schmuckfarbe aus, einem Orangerot, im angenehmen Kontrast zur Grundfarbe, einem bläulichen Anthrazit. Die Überschriften erscheinen in gehörig gesperrten Versalien, oft auf Mittelachse gestellt, ansonsten sich aller zur Verfügung stehenden Satzarten bedienend, zweifarbig sowieso.«

 

 

Zur Stiftung Buchkunst

Sie möchten noch weiter in den Gewinnerbüchern stöbern und sich zum Förderpreis für Junge Buchgestaltung informieren? Hier geht's zur Website der Stiftung Buchkunst. Seit über 60 Jahren fördert sie vorbildlich gestaltete Gebrauchsbücher, besonders in Form dreier Wettbewerbe – »Die Schönsten Deutschen Bücher«, »Förderpreis für junge Buchgestaltung« sowie »Schönste Bücher aus aller Welt«.