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Laser

- Graphic Design , Print & Production

Lasern & Kaschieren = filigrane Schönheiten

Die Lasertechnologie ist als Veredelungsform immer wieder faszinierend. Wir statteten der Stigler GmbH einen Besuch ab, die sich auf das Filigranlasern sowie die Filigrankaschierung spezialisiert hat. Auch das Cover unserer novum 02.19 wurde hier in viel Handarbeit gefertigt. Ein Interview, das Spaß macht und viel Wissenswertes verrät …

»Wenn wir momentan keine Arbeit hätten, hätten wir ein Problem«, lachte Andrea Stigler, als ich ihrem Betrieb im November und damit mitten in der turbulenten Vorweihnachtsproduktion einen Besuch abstattete. Die Maschinen liefen auf Hochtouren, in jedem Winkel ließen sich zwischen Hightech-Maschinen und alten Tiegelpressen aufwendige Printprodukte entdecken, die hier den letzten Schliff erhalten. Es wird gestanzt, gelasert, kaschiert und – ganz neu im Angebot – auch mit Heißfolie geprägt. Über all dem wacht die oberste Maxime: höchste Qualität!

 

Vor nunmehr zwanzig Jahren hoben Andrea und Michael Stigler ihr Unternehmen aus der Taufe und waren auch einer der allerersten Anbieter der noch jungen Lasertechnik im Printbereich. Inzwischen ist der Betrieb auf 18 Angestellte angewachsen, zumeist langjährige Mitarbeiter, die sich voll und ganz mit der Mischung aus Technik und Handwerk identifizieren und das gute Arbeitsklima zu schätzen wissen, das nicht von ungefähr kommt: »Jeder arbeitet eigenverantwortlich und hat hier große Freiräume – auch zum Experimentieren und Ausprobieren«, erzählt Andrea Stigler. In dieser also betriebsamen wie angenehmen Atmosphäre wollte ich natürlich etwas mehr zur »Stigler-Philosophie« erfahren, die letztlich auch zu dem grandiosen novum-Cover der Ausgabe 02.19 führte.

 

Zunächst zum Grundsätzlichen: Was bietet Stigler seinen Kunden eigentlich alles an?

Wir kommen ja aus dem klassischen Stanzbereich – also Stanzen mit Zylindern und Tiegeln. Mein Mann ist Industrie- und Handwerksmeister Druck und hat schon in der Ausbildung gemerkt, dass Buchdruck genau sein Ding ist. Wir arbeiten in dem Bereich auch noch viel mit Handtiegeln, mit denen wir beispielweise häufig in fertige Buchcover Ausstanzungen platzieren oder sehr großformatige Produkte stanzen, die keine Haltepunkte haben dürfen. Jedes Stück wird dabei tatsächlich von Hand angelegt. Unsere Flachbettstanze hat wiederum den Vorteil, dass man nahezu kerbenlos arbeiten kann. 2017 kam unsere Heißfolienmaschine dazu. Aber unser wesentliches Standbein ist das Filigran-Lasern, mit dem wir 2009 angefangen haben. Zu Beginn kam da der Flachbettlaser zum Einsatz, bei dem wirklich jeder Bogen einzeln eingelegt werden musste und das Lasern an sich recht lang dauerte. Inzwischen hat sich die Technik weiterentwickelt und es geht auch schneller – was sich aber nicht verändert hat, ist, dass die Bogen nach wie vor von jemandem einzeln eingelegt und beim Herausholen geprüft werden.
 
Recht neu ist auch Ihr Angebot des Filigran-Kaschierens …

Ja, das ist eine Wortschöpfung von meinem Mann. Denn wir wollten zwar das Kaschieren mit ins Portfolio aufnehmen, aber nur auf eine Art und Weise, wie es auch zu uns passt – es musste also schon ein bisschen ausgefeilter sein. Mit der Technik lassen sich wirklich tolle Produkte realisieren, die in ihrer Anmutung und Haptik ganz neu sind. Die Mehrschichtigkeit gab es zwar früher auch schon, da wurde aber aus bereits kaschierten Bogen herausgelasert, was die Farbreinheit beeinflusst hat. Beim Filigran-Kaschieren bleibt die Farbbrillanz hingegen erhalten.

 

Und das passiert auch in Handarbeit?
Ja. Natürlich bringt man mit der Maschine den Kleber auf und presst mit ihr an, aber das passgenaue Anlegen der verschiedenen Lagen geschieht von Hand. Anschließend wird Stück für Stück in die Buchpresse von Hand gelegt, wo es im Übrigen auch genug Zeit zum Trocknen braucht. Es ist also Handarbeit, aber wir sprechen ja auch von Produktionen im hochwertigen Segment … ich möchte keine 10.000 Mappen kleben, da sind wir gar nicht konkurrenzfähig. Wir kleben aber gerne 500 Mappen mit dem entsprechenden Anspruch – das sind dann aber auch 500 perfekte Stücke. Unsere Maxime ist, dass man blind aus der Ware ein Exemplar ziehen kann und es ist einwandfrei.

 

Welche Auflage kann man auf diese Weise stemmen?
Das ist alles eine Frage der Zeit. Wir haben am Laser auch schon 45.000 Flyer produziert – möglich ist fast alles. Aber hier kommt es natürlich darauf an, wie viel an einem Exemplar gelasert wird. Wenn es sich um ein sehr filigranes Motiv handelt und der Laser pro Stück eine Minute braucht, dann lässt sich das eben nicht beschleunigen. Einfache Formen sind wiederum in zwei oder drei Sekunden gelasert. Eine gute Vorbereitung hilft natürlich immens.

Gibt es Einschränkungen im Format?
50 x 70 cm ist unser Laserformat. Der Bogen könnte theoretisch doppelt so groß sein, was aber in der Handhabung dann mehr Zeit kostet. Im Flachbettlaser ist auch ein größeres Format möglich, was aber fast nur in der Buchproduktion mit dicken Pappen zum Einsatz kommt.

Im Prinzip kann dabei die ganze Fläche gelasert werden?
Ja, auch randabfallende Produktionen, die man beispielsweise öfter bei Grußkarten sieht, sind möglich.

 

Und wie fein kann gelasert werden?
Das hängt von der Materialstärke ab und letztlich auch davon, welche Wirkung und Stabilität der Kunde haben möchte.
 
Welches Papier eignet sich am besten?
Sehr gut funktionieren Naturpapiere. Schimmernde Sorten neigen immer ein wenig zum Schmauchen, aber auch damit kann man umgehen. Schwarze Papiere sind eher kritisch, weil sie gerne rußen – manche von ihnen ergeben wiederum ganz tolle Effekte, weil sie sich bräunlich verfärben. Kurzum: Man muss es einfach zuvor testen. Aber mit Naturpapieren hat man normalerweise keine Probleme.
  Bei Buchproduktionen putzen wir die Schmauchspuren auch weg – hier wird ja gerne Graupappe verwendet, die beim Lasern arg rußt. Aber bei Filigranlaserungen ist das Putzen schlecht möglich.
 
Das Putzen passiert auch händisch?
Ja, natürlich. Aber es geht bei Graupappe nicht anders … Bei Verwendung von Holzpappe hätte man das Problem nicht, aber die ist natürlich auch teurer. Prinzipiell fahren wir bei den Buchproduktionen immer Tests, denn hier spielen die Überzugsmaterialien eine große Rolle – jedes Material für sich ist vielleicht problemlos, aber in Kombination miteinander und dem Kleber dazwischen kann viel passieren … Wobei man sagen muss, dass die Papiere, die für das Lasern vorgesehen sind, immer besser werden. Das sind allerdings selten die günstigsten.

 

Man kann also sagen, dass die Materialabstimmung für eine Laserproduktion fast wichtiger ist als das eigentliche Motiv?
Im ersten Schritt schon. Aber es kann passieren, dass ich aus einem Material eine einfache Form ganz problemlos lasern kann, eine filigrane Form hingegen Probleme macht. Da spielt es beispielsweise eine Rolle, wie nahe die Linien beieinanderliegen – je enger, desto mehr Ruß entsteht. Man muss es also in der Kombination testen. Es kann wirklich auch bei ganz »normalen« Produktionen etwas schiefgehen, daher ist es – gerade bei hohen Auflagen – so wichtig, im Vorfeld zu testen, auch wenn es natürlich etwas Geld und Zeit kostet. Schnell, schnell ist letztlich meist die teuerste Variante …

Synthetisches Material kommt für das Lasern eher nicht infrage, oder?
Doch, wir lasern sehr viele Kunststoffe. Was nicht geht, ist PVC-haltiges Material. Auch cellophaniertes Material funktioniert, wobei hier ebenfalls Tests anzuraten sind.

Die Nachfrage nach gelaserten Produkten ist jedenfalls scheinbar ungebrochen …
Ja, es liegt im Trend. Das hängt natürlich damit zusammen, dass man mit dieser Technik auch Kleinauflagen recht kostengünstig herstellen kann, weil man keine Stanzform braucht.

Lasern ist also günstiger als Stanzen?
Bei Kleinauflagen und vergleichbarem Motiv durchaus. Zudem ist beim Lasern gestalterisch viel möglich – man hat zum einen die variable Gravur und zum anderen auch die Kontur an sich als Gestaltungselemente zur Verfügung. Darüber hinaus kann mit dem Laser auch eine funktionale Aufgabe erfüllt werden, indem man ihn beispielsweise zum Perforieren oder Ritzen für die Falzung einsetzt. Der Laser übernimmt so klassische Stanzaufgaben.

 

Werden Sie denn oft im Vorfeld einer Produktion schon miteinbezogen?
Immer mehr, muss ich sagen. Es lassen sich auch viel bessere Ergebnisse erzielen, wenn man gemeinsam ein Projekt angeht und jeder seine Expertise einbringt. Die Beratungstätigkeit wird also schon intensiver, gerade bei den Specials wie komplexeren Mailings.

Und wie viel experimentieren Sie in Eigenregie?
Eigentlich dauernd. Unsere Mitarbeiter am Laser sind nicht nur technisch versiert, sondern auch sehr kreativ und probieren selbst viel aus. Einfach, weil sie Spaß daran haben.
 
www.stigler-gmbh.de


Wer noch keine novum 02.19 erstanden hat, die mit viel Handarbeit und noch mehr Präzision gefertigt wurde, kann sich hier ein Einzelheft bestellen: https://novum.graphics/de/magazin/shop-abo/