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- Typography

Eine stolze Typografie-Geschichte: 130 Jahre tgm

Mit 96 Jahren ist auch die novum schon lange im Geschäft, kein Vergleich jedoch mit der tgm, die Typographische Gesellschaft München feiert 130-jähriges Bestehen und präsentiert sich gerade im Jubiläumsjahr frisch, innovativ und im neuen Gewand. Wir sprachen mit der Vorsitzenden Christina John über typografische Kompetenz und neue Formate.  

Christina, 130 Jahre tgm, das klingt beachtlich. Doch keiner kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, was habt ihr Typografie-Begeisterten heute zu bieten?


Die typographische Kernkompetenz der tgm soll natürlich beibehalten werden und gleichzeitig haben wir bewusst eine Öffnung in andere Bereiche angestrebt und erreicht: Wir arbeiten eng mit unseren neuen Botschaftern Lars Harmsen (Melville Brand Design und Mitbegründer von Slanted), dem Digital Art Studio Moby Digg oder Tom Ising von Herburg Weiland zusammen, um neue Formate wie die Sommerakademie voranzutreiben. Experten rund um Typographie und Gestaltung im engen Verbund um als Verein kompetente Ansprechpartner zu stellen. Ausserdem wird es wieder unseren Dynamic Font Day geben, für den sich alle 2 Jahre Oliver Linke stark macht und nationale wie internationale Fachleute rund ums Thema Typographie und Dynamik Fonts zusammenruft um eine inspirierende Konferenz mit Vorträgen und Workshops zu bieten.


Typografie ist eure Kernkompetenz, doch ihr wollt euch auch anderen Bereichen öffnen und neue Formate einführen, wie kann man sich das vorstellen?

Bei unserem Fortbildungsprogramm sowie der Sommerakademie kombinieren wir traditionelles Handwerk wie Handletteringkurse junger Kreativer mit Risographie-Workshops, neuen Formaten wie Designthinking-Workshops oder Digital Art Experimenten. Für die Sommerakademie brachten wir Referenten wie u.a. die Poschauko Brüder, Sven Lindhorst und andere Typogrößen zusammen um wiederum ihre eigenen Ideen einzubringen, wir wechselten Seiten und tauschten uns aus, bis es stimmig war. Aus dieser Art der Begegnung und Organisation ergaben sich Antworten auf die Frage, was die tgm eigentlich leisten kann und will. Dinge ins Rollen bringen und langfristig Wellen schlagen, die auch außerhalb der tgm ankommen werden, das war es, was wir leisten wollen. Daraus ergab sich schließlich auch der neue Claim: »tgm – Typographie in guter Gesellschaft«.

Unserer tollen Vortragsreihe, in der wir in den letzten Jahren hochkarätige Referenten wie Mirko Borsche, Eike König, Fons Hickmann, Mario Lombardo, Deutsche und Japaner, Peter Zizka, Anette Lenz, Debbi Millman, Anette Scholz, Studio Mut, Studio Feixen, Carlson Wilker NY, Mind Design UK,  Hauser Lacour, Sascha Lobe, Jiri Oplatek, um einige wenige zu nennen, begrüßen durften, konnten wir einen neuen Akzent verleihen, indem wir der Diskussion im Anschluss an unsere ersten (coronabedingten) digitalen Formate einen besonders großen Stellenwert zugeschrieben haben. Dieser Austausch hat den Referenten wie auch den zahlreichen interessierten Zuhörern sichtlich gut getan! Es ist unser Ziel, unsere langjährigen Mitglieder zu behalten und uns gleichzeitig zu verjüngen: Gerade im Bereich Social Media und Aktionen rund um das Jubiläum der tgm setzen wir auf junge Mitglieder und entwickeln ein attraktives Angebot, mit dem wir eine junge Zielgruppe ansprechen können.

Passend zum Jubiläum präsentiert sich die tgm auch mit einem neuen Erscheinungsbild, was steckt dahinter?

Ein großes Anliegen ist, die tgm zu öffnen, für jüngere Generationen und für mehr Miteinander und Austausch. Diese Haltung spiegelt sich in unserem neuen Claim: »tgm – Typographie in guter Gesellschaft«. Diese Haltung wollten wir ins Zentrum stellen und so haben wir auf das alte Logo im Fokus verzichtet und dafür unseren Claim in der neuen Schrift Studio Pro des Designstudios Think Work Observe ins Zentrum gerückt. Die Elemente aus dem ursprünglichen Logo haben wir aber inhaltlich mit der neuen Struktur der Webseite eng verknüpft. Der Wunsch war, das Erscheinungsbild zu verjüngen, flexibler zu getalten und das Prozesshafte sichtbar machen.

Klar, schnell, responsive – die tgm Webseite


Bei der Gestaltung der Webseite sowie einem Soft-Redesign der tgm war wichtig, dass ein klarer Aufbau beibehalten wird, welcher die sehr komplexe Struktur mit Mitgliederverwaltungen, Blog, Buchungssystem, Vorträgen bzw. Personenübersicht auf eine einfache Weise zugänglich macht. Dadurch wollen wir v.a. das tgm-Fortbildungsprogramm und das große und noch zu erweiternde Netzwerk an Kreativen und Spezialisten allen tgm-Interessierten zugänglich machen. Die neu gestaltete Startseite bietet dem User vom Start weg alle wichtigen Inhalte auf einen Blick und persönliche Ansprache und Einblicke durch die Testimonials.

Behutsame Evolution im Corporate Design


Klare Gestaltung und Bildsprache sowie ein reduziertes Typografiekonzept sind Grundlage nicht nur für die Internetpräsenz, sondern für einen variablen und vielfältigen Gebrauch aller tgm-Medien. Denn in Zukunft sollen die Aktiv-Mitglieder z.B. Newsletter, Anzeigen, etc. eigenständig ableiten. Eine extreme Bandbreite von Informationen bestehend aus News, Facts und attraktiven Angeboten im Bereich Veranstaltungen, Vorträgen und Seminaren in eine übersichtliche, nachvollziehbare und damit intuitive Anwenderführung zu bekommen – und das für die unterschiedlichsten Endgeräte und digitalen wie analogen Anwendungen durch unterschiedlichste Personen – war die essentielle Herausforderung für den Relaunch. Im Logo wurde auf die Bildmarke verzichtet. Dafür wurden die geometrischen Elemente bzw Grundformen aus dem Logo von Rolf Müller aus dem Jahre 1987 wieder eingesetzt und schaffen inhaltlichen Bezug:

Die geometrischen Grundformen der früheren Bildmarke Quadrat, Kreis und Dreieck werden nicht nur auf der Website oder im Jahrbuch als Gestaltungselemente mit bestimmten inhaltlichen Bedeutungen verwendet. So steht das Quadrat für »Typografische Exkursionen«, der Kreis für »Specials«, das Dreieck für die einzigartige Vortragsreihe und der Winkel für das umfangreiche Fortbildungsprogramm. Zur Unterstützung der einfachen Struktur und reduzierten Gestaltung haben wir die Schrift Regola vom Studio ThinkWorkObserve ausgewählt, denn sie hat einen eigenständigen Charakter und ist dennoch schlicht und zeitgemäß. Sie hilft mit, Orientierung zu schaffen und verbindet sich perfekt mit der geometrischen Formensprache, die klar und funktional ist. Mit Ihr drücken wir die Ruhe aus, mit der die tgm Veränderung herbeiführt. 

Die tgm ist ehrenamtlich organisiert, in Zukunft strebt ihr jedoch eher »ehrliches Engagement« an, wie funktioniert dieses Prinzip?

Wir wollen ehrenamtliches Engagement und dabei anerkennen, dass sich die gesellschaftlichen Strukturen und Arbeitsverhältnisse beständig wandeln und Menschen mit ihren Ressourcen anders umgehen bzw. andere Prioritäten setzen (können) als vor zwanzig Jahren. »Commitment« muss dabei heute nicht weniger bedeuten als früher, aber es sieht mitunter ganz anders aus. Deshalb haben wir in den letzten Jahren ganz bewusst darauf hingearbeitet, dass wir unter dem Motto »ehrliches Engagement« die Kapazitätsgrenzen bei den aktiven Mitgliedern ebenso akzeptieren wie bei den Vorständen und das tgm-Programm sich daran orientiert, was von den Beteiligten geleistet werden kann, ohne Raubbau zu betreiben. Das muss natürlicherweise bedeuten, dass manch großartige Idee und manch aufregendes Projekt aus Kapazitätsgründen (noch) nicht verwirklicht werden. Wir wollen als »gute Gesellschaft« für eine gute Gesellschaft so tätig sein, dass Potentiale und Grenzen gleich wichtig sind. Das wird sehr wahrscheinlich etwas an der Quantität unserer Aktionen ändern, an der hohen Qualität bestimmt nicht!  Aus der Reduktion der letzten Jahre heraus haben wir also den Kurs neu gesetzt und nehmen wieder Fahrt auf um Raum zu schaffen, um uns Gedanken um eine zukunftsfähige tgm machen zu können, die dem entspricht, was wir in der Lage sind zu leisten und dem, was aus Engagement und Freude (neu) entsteht.



Deine persönliche Meinung: Was ist das Schönste an der tgm?

Ich finde es spannend in unterschiedlichen Sichtweisen und gegensätzlichen Bewegungen rege Diskussionen zu führen, denn dies entspricht unserem Selbstverständnis von gesellschaftlicher Partizipation und Mitgestaltung. Die Lösung suchen wir dabei nicht in der subjektiven Entscheidung für das eine und gegen das andere, sondern wir werden sie finden in der Erweiterung des eigenen Horizonts, wenn wir uns dem Anderen öffnen. Wir stellen die Frage nach Verantwortung in den eigenen Reihen ebenso wie im gesellschaftlichen Miteinander. Was bedeutet es, »ja« zu sagen zu ehrenamtlichem Engagement? Was heißt es denn eigentlich, den öffentlichen Diskurs mitzubestimmen? Und welche Voraussetzungen müssen im Inneren und im Äußeren gegeben sein, damit unser Tun und Sein gelingt? Eine Institution zu sein, die sich als Raumgeber für unterschiedliche bis gegensätzliche Meinungen und Entwicklungen versteht und damit vorzuleben, was gesellschaftlich eine große Herausforderung ist: Im Anderen das Eigene zu sehen, das finde ich ausserordentlich spannend. Die Gesellschaft mitzugestalten und meinen persönlichen Beitrag durch ehrenamtliches Engagement zu leisten war immer schon Motor. Gerade dann, wenn man dabei die einfachen Pfade verlässt :)

 


Mehr zum Programm der tgm unter:
www.tgm-online.de