Ihr Warenkorb:

Keine Artikel im Warenkorb.

KIBLIND 65 - Summer 2018 - Extraterrestre Issue - Cover : Floor van het Nederend

- Editorial Design , Interview

10 questions to: Kiblind Media

Ist es ein Magazin? Ein Kunstraum? Eine Kommunikationsagentur? Vielleicht ein bisschen von allem … 14 Jahre lang hat sich Kiblind weiter entwickelt und zählt nun zu den renommiertesten auf Grafikdesign und Illustration spezialisierten Medien in Frankreich. Mit Maxime Gueugneau, Redakteur und Leiter der Webprojekte, tauchen wir in die Geschichte von Kiblind ein, in dessen Entwicklung und die Pläne für die Zukunft. 

 

Interview: Guillaume Sinopoli

KIBLIND 58 - Fall 20116 - Fight issue - Cover : Bastien Vives

Wie hat alles mit dem Kiblind Magazine angefangen?

 

Es entstand aus einer bemerkenswerten Fähigkeit heraus, die nur die Jugend besitzt: den Mut, alles auszuprobieren. Ursprünglich war es nur ein lokales Magazin, das nur in Lyon verteilt wurde. Wir waren einfach frustriert, das keine der lokalen Zeitungen oder Magazine in der Lage waren, mit jungen Menschen umzugehen, mit der Kunstszene, mit uns. Die Idee war, es einfach angehen zu lassen und die Zeitschrift so vielen Leuten wie möglich zugänglich zu machen, also publizierten wir zunächst die albernsten Sachen der Welt.

 

 

Wie finden Sie die Illustratoren, mit denen Sie zusammenarbeiten?

 

Auf viele verschiedene Arten. Das Internet macht die Aufgabe viel leichter. Wir verstecken uns nicht: Instagram in erster Linie sowie dessen Freunde Pinterest, Tumblr und Twitter erlauben es uns jeden Tag unseren nächsten Couchou (Liebling) zu finden.

 

Wir bekommen auch viele Emails von Designern, die uns ihre Portfolios schicken. Diese Bewerbungen lieben wir, denn die Leute geben sich Mühe und kennen uns sehr gut. In jeder Ausgabe zeigen wir mindestens einen Designer, der sich mit einer Initiativbewerbung an uns gewandt hat. Und schließlich besuchen wir viele Kunstmessen und Design-Festivals, um nach unbekannten Autoren zu suchen, nach innovativen Künstlerkollektiven und nach hübschen Independent-Magazinen und Publikationen.

KIBLIND 61 - Summer 2017 - Wild issue - Cover : Crushiform

Das Magazin wurde von Anfang an in Lyon und Paris gratis verteilt. Warum haben Sie sich entschieden, es kostenlos zu machen?

 

Das kam alles mit unsere ursprünglichen Intension: unbekannte Talente so vielen Menschen wie möglich zu präsentieren. Es ist der alte Traum kultureller Demokratie, den wir an der Universität kennenlernten und an dem wir seltsamerweise noch immer festhalten. Wir waren der Meinung und denken noch immer, das eine finanzielle Barriere gewissen Menschen ausschließt. Heute ist es eine echte Investition, wenn man ein Magazin kauft. Hätten wir Kiblind mit einem Preis versehen, hätten wir uns von dem Teil der Öffentlichkeit distanziert, der nicht interessiert genug ist, um in den Kauf einer Zeitschrift zu investieren. Doch wir wollten mit Jedem ins Gespräch kommen, für Jeden verfügbar sein und nicht in einer Nische landen.

 

 

Warum haben Sie sich entschieden, sich mit visueller Kommunikation zu beschäftigen?

 

Vor 14 Jahren, als wir anfingen, haben wir uns schon für visuelle Kommunikation interessiert, wir interessierten uns allerdings auch für andere künstlerische Bereiche. Wir waren überzeugt, das visuelle Kommunikation und Print eine großartige Kombination ergeben würden und hatten das Gefühl, die traditionellen Medien das gern vergaßen. 

 

Übrigens widmeten wir unser Cover schon damals ganz der Arbeit eines Designers, ohne Text, ohne irgendetwas, das vom Bild ablenken würde – ganz so, wie es heute noch ist. 

 

Durch menschlichen und künstlerischen Austausch steuerten wir das Magazin Stück für Stück mehr in die Richtung von Grafikdesign und Illustration, die in diesen Bereichen passieren unserer Meinung nach die interessantesten Veränderungen. Dank neuer Kreationsmöglichkeiten und Kommunikationswerkzeuge, einer neuen Art Kunst zu unterrichten und einer neuen Generation von Künstlern, die keine Angst vor Zurückweisung haben sowie einer Öffentlichkeit, die zunehmend neugierig ist, wurden wir mit einer brodelnden Kunstszene konfrontiert. Also haben wir uns darauf gestürzt.

KIBLIND 65 - Summer 2018 - Extraterrestre Issue - Cover : Floor van het Nederend

Jede neue Ausgabe wir mit einer Party gefeiert, die unter dem Motto des jeweiligen Monats steht. Wie ist es zu dieser Tradition gekommen?

 

Das haben wir angefangen, um die Dinge einfacher zu machen. Für uns war es immer schwer, uns in die Lage der Leser zu versetzen und zu wissen, ob das Magazin auch so aufgenommen wurde, wie es von uns gedacht war, ob wir uns wirklich Gehört verschaffen konnten. Es gab eine Zeit, als wir das Gefühl hatten, dass das Magazin nicht konsistent genug ist. Wir brauchten einen roten Faden, um die Beiträge, die Infografiken und die Arbeiten der Designer miteinander zu verbinden und dem Ganzen mehr Konsistenz zu verleihen. Außerdem hatten wir als Monatsmagazin eine schlechte Frequenz, die eine Distanz zu aktuellen Meldungen aufbaut. Aber wir konnten auch nicht so tun, als wären wir nicht Teil dieser Welt. Also beschlossen wir, jede Ausgabe unter ein aktuelles Thema zu stellen und entwickelten eine Reihe von Prozessen, um die Visuals und die Texte zu mischen. Was die Events angeht, wir versuchen, uns an die Themen zu halten und jede Veröffentlichung einzigartig und anders als die vorangegangenen oder die nachfolgenden zu machen. Und was uns selbst angeht – die Partys erlauben es uns, Spaß zu haben und Routine zu vermeiden.  

KIBLIND 61 - Summer 2017 - Wild issue - Cover : Crushiform

Kiblind ist auch eine Designagentur und ein Kunstraum. Hatten Sie das schon von Anfang an so geplant?

 

Von Anfang an? Nein. Um ehrlich zu sein, wir wussten nicht, wie weit wir kommen würden und dachten niemals, dass wir so lange überleben würden. Die Agentur kam hinzu, als wir an einem Scheideweg waren: Wir hatten zu wenige Sponsoren und mussten eine Entscheidung fällen. Entweder wurden wir professioneller oder wir mussten aufhören. Die Anzahl der Anzeigen im Heft waren nicht genug, um die Druckkosten zu tragen, wir konnten uns also nicht durch das Magazin allein finanzieren. Zu dieser Zeit bekamen wir auf einmal Anfragen wie »wenn ihr wisst, wie man ein Magazin macht, könnt ihr doch auch eine Broschüre machen, Flyer entwerfen oder eine Webseite gestalten, etc.« So fing es mit der Agentur an. 

 

Der Kunstraum ist neuer. Wir hatten immer einen Traum, wir wollten einen öffentlichen Raum schaffen, der so war wie wir. Lange Zeit erlaubten das weder unsere Finanzen noch unsere Zeit. Vor allen Dingen war es hoffnungslos, einen zentralen Ort zu finden, der cool und in der Nachbarschaft war. Und dann, vor etwas mehr als einem Jahr, ging ein benachbarter Architekt in Rente und vermietet uns einen sehr günstigen und schönen Raum, der sich zum Viertel hin öffnet. Wir wussten nicht genau, was passieren würde, aber wir packten die Gelegenheit beim Schopf. Wir kauften einen Risografen, strichen die Wände weiß, wir druckten unsere ersten Einladungen und organisierten zugleich eine Ausstellung. Und voilà, auf einmal hatten wir unsere Atelier-Galerie Kiblind.

Wo liegen die Verbindungen zwischen Magazin, Agentur und Kunstraum?

 

Was die Verwaltung angeht, ist es zunächst einmal die gleiche Einheit, dieselbe Firma. In etwas philosophischer Hinsicht, sind der Kunstraum und die Agentur die Kinder der Zeitschrift. Sie erlauben es uns, neue Dinge auszuprobieren, neue Leute zu treffen und freier zu sein, als wir es woanders wären. Das Magazin andererseits füttert die Agentur großzügig mit seinen Experimenten und seiner offenen Haltung. Es füttert auch den Kunstraum, dank all der Designer, mit denen wir zu tun haben. In ganz profaner Hinsicht, das will ich nicht verheimlichen, ist es die Größe der ganzen Unternehmung, die das Ganze finanziell am Laufen hält.

 

Wie wählen Sie die Themen für das Magazin aus?

 

Ganz allgemein sitzen wir um einen Tisch herum und suchen stundenlang nach einer Idee, bis wir uns schließlich entscheiden. Es ist wichtig, den richtigen Dreh zu finden, der uns – und unsere sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten – mit dem Zeitgeist verbindet, mit der künstlerischen Inspiration, der Effizienz, der Möglichkeit, das Magazin in verschiedenen Größen zu publizieren, der durchgehenden Qualität der Designer und Künstler, die wir auf dem Cover zeigen, etc. Und schließlich, zwei Wochen nach dem ersten Treffen, wird uns klar, dass die erste Idee Mist war. 

 

Keine Ahnung, warum wir uns das antun.  

KIBLIND 58 - Fall 20116 - Fight issue - Cover : Bastien Vives

Seit seiner Gründung hat sich das Magazin ständig verändert (neue Größe, neuer Inhalt, etc.) Was planen Sie als nächstes?

 

Oh, wir haben das so einiges in der Schublade. Mehr Ausgaben, mehr Seiten, mehr Leute, die Inhalten beitragen, mehr Rubriken, eine schönere Ausgabe mit feinerem Papier und ein sorgfältigeres Layout. Und natürlich hätten wir gern, dass jeder, den wir mögen, mit uns das Stade de France füllt, um eine große Party zu feiern.

 

Tatsächlich passieren die Dinge in kleinen Schritten. Jedes Mal, wenn wir ein bisschen mehr Geld verdienen oder ein besseres Angebot von unserem Drucker bekommen, fangen wir etwas Neues an und polieren unsere Karosserie mit etwas Lack und Neonfarben auf. So glänzt unser kleiner Renault Clio auf dem Parkplatz immer ein kleines bisschen mehr. Nächstes Jahr werden wir beispielsweise ein neues Papier für das Cover bekommen, werden im Magazin zwischen mattem und glänzendem Papier wechseln und zwei oder drei Rubriken ändern. Es sind kleine Schritte, große Sprünge machen wir kaum. Für die Zukunft planen wir, die Saison 18/19 auf dem Level des Vorjahres fortzuführen und die Latte ein kleines bisschen höher zu hängen. 

 

 

Was war der größte Erfolg von Kiblind?

 

Ganz klar, dass wir überlebt haben. 14 Jahre lang auf Kurs bleiben, als unabhängige Publikation, als Gratis-Magazin und das in der Stadt Lyon, keine Ahnung, wie wir das geschafft haben. Wir sind nicht schlauer als andere, aber wir hatten Glück und viele gute Dinge und Projekte fielen uns in den Schoß, so haben wir es geschafft, uns durchzuschlagen. Ganz ehrlich, darauf können wir stolz sein. 

 

www.kiblind.com

KIBLIND 61 - Release party outside of the gallery