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- Interview

10 questions to: Adrien M & Claire B

Adrien M & Claire B sind kein gewöhnliches Studio, ihre Kreationen bewegen sich zwischen Performance und Ausstellung und verschmelzen Realität mit Virtualität. Für ihre Projekte entwickeln sie maßgeschneiderte technische Lösungen und stellen doch immer den Menschen ins Zentrum ihrer poetischen Inszenierungen. Guillaume Sinopoli sprach mit den kreativen Grenzgängern aus Lyon …

 

Interview: Guillaume Sinopoli

Le mouvement de l'air

Wie wurde das Studio Adrien M & Claire B geboren?

Eigentlich wurde das Studio in dem Moment geboren, als wir uns das erste Mal trafen, offiziell gegründet wurde es 2011. Wir waren beide schon zuvor als Künstler tätig und ergänzten uns perfekt. So war der Gedanke, zusammen zu arbeiten sehr aufregend.

 

 

Hat jeder von euch im Studio spezielle Aufgaben oder arbeitet ihr beide an jedem Schritt eines Projektes gemeinsam?

Zunächst einmal sind wir nicht wirklich ein Studio, wir nehmen eigentlich keine Auftragsarbeiten an oder bewerben uns um Jobs. Wir gestalten, produzieren und initiieren Projekte, von denen wir glauben, das sie umgesetzt werden sollten. Die Projekte selbst beeinflussen dann, was jeder von uns tut. Claire hat oft die überordnete Verantwortung was die Art-Direktion, die Organisation und die Umsetzung angeht. Adrien ist für die Informationsarchitektur (sowohl was die Software, als auch die Materialwahl angeht) zuständig und übernimmt viele Recherchearbeiten. Aber diese Felder sind immer miteinander verbunden. Unsere Arbeit ist ein niemals endender Dialog, das macht es so inspirierend.

Le mouvement de l'air

Wie arbeitet ihr mit der Bühnenwelt zusammen?

Wir haben schon immer für die Bühne gearbeitet. Zunächst getrennt (zwischen 2002 und 2010), dann gemeinsam. Es war immer unser Wunsch, dass der Mensch im Zentrum unserer Projekte steht. Bilder zu kreieren, die nur auf dem Bildschirm existieren, hat uns nie interessiert. 

 

 

In welches Projekt habt ihr die meiste Arbeit investiert?

Jedes Projekt ist einzigartig in seinen Ansprüchen und Herausforderungen und sie zu vergleichen, ist wenig sinnvoll. »L’ombre de la vapeur« (Der Smog und der Dampf) ist eine interaktive Installation, die ein Areal von 900 m2 bespielt. Das ist sicher unser größtes Projekt, doch die ausgefeilte Organisation eines jeden Schrittes und die viele Arbeit, die wir hineingesteckt haben, erlaubten es uns, das Projekt ohne größere Schwierigkeiten umzusetzen. Für ein kleineres Projekt wie »Hakanai..«, mussten zum Beispiel viele spezifische Applikationen entwickelt und produziert werden und »Le mouvement de l’air« (Die Bewegung der Luft) war beispielsweise in der Entwicklung sehr komplex, was die Szenografie mit ihren Aufhängungssystemen anbelangte und weil die Beleuchtung eine wirklich harte Nuss war. 

Hakanaï

Wie wichtig sind digitale Räume in euren Entwürfen?

Wir versuchen immer, Bilder aus ihren Rahmen zu befreien. Wir möchten sie in Landschaften verwandeln, in Areale, in lebende Existenzen in Partner in einem Spiel. Wir möchten Menschen vergessen lassen, dass es Bilder sind. Was real ist, entsteht für uns aus konkreter Materie plus all der Ebenen des Imaginativen, die die digitale Welt erschaffen kann.

 

 

Gestaltung bedeutet für euch die Kollaboration zwischen Künstler und Öffentlichkeit. Warum ist das so wichtig für eure Arbeit?

Das ist eine Zusammenarbeit im Sinn von Dialog, von Interaktion und tatsächlich der Kern unserer Arbeit. Auf der Bühne interagieren echte Tänzer mit digitalen Darstellern hinter den Kulissen, die auf beeindruckende Weise die Bilder animieren. Bei Installationen sind es meist Sensoren, die einfache Aktionen ausführen. Doch in beiden Fällen reagieren Bilder, sie sprechen, antworten und treten in Beziehung zum Betrachter. Wir versuchen immer, eine Art von digitalem Animismus zu erschaffen. 

Was sind die Herauforderungen, wenn ihr versucht, abstrakte Dinge wie das Irreale oder Träume, Motive, die oft in euren Projekten auftauchen, umzusetzen?

Das Imaginäre, Träume und Illusionen sind Motive, die in all unseren Projekten auftauchen, dies sind sinnliche Erfahrungen und für uns sehr wichtig. Deshalb möchten wir sie kommunizieren. Digitale Materie und projektiertes Licht oder Augmented Reality scheinen diese Gefühle hervorzurufen. Sie helfen uns, sie sichtbar zu machen. 

 

 

In »La neige n’a pas des sens« habt ihr digitale Kunst mit Druckobjekten kombiniert. Warum habt ihr euch in diese neue Welt begeben?

Wir mochten die Dualität von Licht, das auf Materie triff, auf Technik, die auf Handwerkskunst triff und Neues, das sich mit Altem verbindet. Wir lieben es, Verbindungen zu schaffen und Brücken zu bauen, Portale zu eröffnen, durch die man hindurch schreiten kann. Das Digitale ist nur eines von vielen Werkzeugen und wir lieben es, es mit etwas zu kombinieren, das ähnlich stark ist.

L'ombre de la vapeur

In euren Projekten verweist ihr oft auf die Mathematik und andere Wissenschaften. Welchen Einfluss haben diese Welten auf eure Kreationen?

Sie sind Werkzeuge, niemals Selbstzweck. Mathematik und andere Wissenschaften sind beschreibende Sprachen, stark und präzise, erschaffen, um zu beschreiben, was real ist. Doch im Allgemeinen lieben wir es die technische Seite und wissenschaftliche Daten mit Poesie und Gefühlen zu mischen, um imaginative Welten zu beschreiben und die Grenzen zwischen Realität und Illusion zu verwischen. Wir möchten, dass unser Universum heraus sticht und die Vision einer möglichen Welt erschafft.

 

 

Könnt ihr uns mehr über euer neustes Projekt »L’ombre de la lumière« erzählen?

Angefangen hat die Arbeit an »L’ombre de la lumière« (Der Schatten und das Licht) im Juni 2018, es handelt sich um eine interaktive und immersive Arbeit, die von der Martell Foundation in Auftrag gegeben wurde, die vor kurzem einen großen Ausstellungsraum in Cognac, im Südwesten Frankreichs, eröffnet hat. Dieses Projekt huldigt dem Genius loci. Bevor die Arbeiten begannen, waren alle Oberflächen von einem Pilz namens Torula bewachsen, der sich von den Ausdünstungen des Alkohols ernährt. Mit der Hilfe von digitalen Systemen gelang es uns, eine Art animistischer Fiktion zu kreieren, eine Arbeit, die Schatten und Licht in sich birgt.  

 

www.am-cb.net/en 

 

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