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Felix Scheinberger: Was kostet eine Illustration?

Der Illustrator Felix Scheinberger gehört zu den innovativsten Vertretern seiner Zunft. Derzeit lehrt er zudem als Professor für Illustration an der FH Münster. In seiner novum-Kolumne »Besser zeichnen mit Felix Scheinberger« beleuchtet er verschiedene Aspekte rund um die Illustration – und beantwortete hier unter anderem schon die Frage: Was kostet eigentlich eine Illustration?

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Felix Scheinberger, Foto: Galya Feierman

Die Frage, was eine Illustration eigentlich kostet oder kosten sollte, treibt beide Seiten um – Kunden wie Illustratoren. Sie zu klären, ist nicht so leicht.

 
Während meines Studiums konnte mir eigentlich niemand eine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Wert einer Illustration geben. Preisverhandlungen schwankten immer irgendwo zwischen Hungerlöhnen und Fantasievorstellungen und im Grunde erschien mir die Tatsache, dass Illustration bezahlt werden würde, ohnehin als ein seltsames und schwer fassbares Mysterium. Gleichzeitig bestand natürlich immer die Notwendigkeit, Preise zu nennen. In der Regel sogar schnell und ad hoc, mal eben spontan am Telefon, was die Angelegenheit nur noch flohmarktartiger machte. Wenn man ein beunruhigendes Schweigen am anderen Ende der Leitung hörte, stellte sich ebenso ein ungutes Gefühl ein, wie wenn der Gesprächspartner blitzschnell »Topp« sagte. Tatsächlich fehlte der Sache in den meisten Fällen eine berechenbare Grundlage und das Thema präsentierte sich mir als Student zunehmend als mysteriöses Glaubens-, Glücks- oder Zufallsprinzip.


Denn einfach gegenrechnen, wie lange ich wohl für die Arbeit brauchen würde und welche Unkosten mein Freelancer-Leben in derselben Zeit erwirtschaften müsste, ging ja auch schlecht. Welcher Anteil des Preises aufgrund des Novizentums abzuziehen sei, erschloss sich nicht so leicht. Und welche Wertschöpfung durch meine Arbeit auf Kundenseite generiert wurde, kommunizierten diese in der Regel auch nicht. Im Gegenteil: Eine Frage nach dem Budget des Kunden führt für den Verkäufer selten zu etwas Gutem. Das gilt für Illustrations- wie für Flohmärkte.


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Also hangelte man sich von vagen Kollegeninformationen zu Hörensagen-Preisen und machte sich – und nicht selten auch den Kunden – das Leben schwer. Glücklicherweise sind Preiskalkulationen etwas, das wirklich durch das Internet leichter geworden ist. Vor zwanzig Jahren begannen sich die ersten Freelancer per Chat über ihre Arbeitsbedingungen auszutauschen und brachten langsam Licht ins Dunkel. Wie groß der Bedarf damals war, zeigte sich durch die Windeseile, mit der sich beispielsweise Orientierungslisten mit Preisen verbreiteten. So hatte ich Anfang der 2000er Jahre für eine Illustrationsklasse eine Liste erstellt, in der ich durchschnittliche, bei Kollegen erfragte Preise auflistete. Es dauerte damals nur wenige Monate, bis sich ebendiese Liste von der studentischen Kopie in diversen Plattformen von Berufsgenossenschaften bis zu Gewerkschaften wiederfand und ich auf Vorträgen von Referenten zum Thema meine Preisbeispiele zu hören bekam. Ich war also offensichtlich nicht der einzige gewesen, der sich für das Thema interessierte. Übrigens finden Sie aktuelle, wirklich hilfreiche Preisberechnungen auf der Webseite der IO Illustratoren Organisation.

Wobei man fairerweise sagen muss, dass konkrete Zahlen natürlich nicht immer übertragbar sind. Theoretisch können sie Verhandlungen abkürzen und Zeit und Nerven sparen, praktisch stellen sie nur eine erste Orientierungshilfe dar und die Zahlen stehen für einen Mittelwert zwischen »einfachen« und »komplizierten« Illustrationen. Man kann sie nicht auf jeden Fall übertragen, kein Auftrag ist wie der andere und kein Illustrator ist wie der andere.


Sie sollen vor allen helfen einzuschätzen, was zur Zeit ungefähr als marktüblich gilt. Außerdem muss man natürlich bedenken, welchen Nutzungsumfang man verkauft. Meistens gehen Sie von einer einmaligen Nutzung in überschaubarem Umfang aus, also zum Beispiel einer Auflage. Zudem verkauft man seine Zeichnungen nicht! Die Originale verbleiben in der Regel im Besitz der Illustratoren und zusätzliche Nutzungen müssen zusätzlich vergütet werden.

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Preise sind zudem auch von Ihrem Standing als Illustrator abhängig und Anfänger werden in der Regel etwas schlechter als Profis bezahlt. Allerdings kann man dem entgegenhalten, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder Sie erledigen den Job genauso schnell und gut wie der vermeintliche Profi – dann gibt es keinen Grund, für die gleiche Arbeit weniger Geld zu verlangen. Oder Sie sind unsicherer, unerfahrener und langsamer als der Profi – dann zahlen Sie sowieso drauf, weil Sie mehr Kraft und Zeit in den Auftrag investieren müssen.

 

Entscheidend ist die Qualität Ihrer Arbeit, denn das ist es, wofür Ihr Kunde bezahlt. Es ist ja so: Wer mit Ihnen verhandelt, obwohl Sie noch keinen »großen Namen« haben, der will offensichtlich keinen großen Namen – sonst würde er ja nicht mit Ihnen verhandeln. Profis sind nämlich oft auf Jahre ausgebucht und haben meist gar keine Zeit. Das Zauberwort heißt Angemessenheit. Ihre Preise sollten für Sie stimmen und Ihre Illustrationen sollten für den Kunden stimmen.


Tatsächlich haben gute Geschäfte die Eigenschaft, nur glückliche Geschäftspartner zu hinterlassen. Ideal ist es, wenn Ihr Kunde wiederkommt und Sie sich freuen, Ihn wiederzusehen. Bei Preisen gilt im Grunde, was schon vor der Verbreitung von Preisbeispielen galt: Es ist alles Verhandlungssache. Je mehr Sie aushandeln, desto besser für Sie. Seriöse Auftraggeber vergeben Jobs ohnehin nach Qualität der Arbeit und Verlässlichkeit und nicht wegen ein paar Cent mehr oder weniger.

Autor: Felix Scheinberger, www.felixscheinberger.de

Dieser Beitrag erschien erstmals in unserer novum-Ausgabe 12.18 mit dem Schwerpunkt-Thema »Editorial Design«. Einzelhefte unter: https://novum.graphics/magazin/shop-abo/detail/novum-1218/

 

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