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- Books , Illustration

Der nasse Fisch

Mit Gereon Rath schuf der Autor Volker Kutscher vor einigen Jahren einen jetzt schon legendären Kriminalinspektor, der im Berlin der Zwischenkriegsjahre ermittelt. Arne Jysch hat die fesselnde Geschichte in eine Graphic Novel übersetzt und damit Anfang des Jahres für einen Bestseller gesorgt. Als TV-Serie bekommt »Der nasse Fisch« unter dem Namen »Babylon Berlin« nun ein weiteres Leben geschenkt.   

Der Nasse Fisch Arne Jysch Carlsen

Eine großartige Vorlage

2007 veröffentlichte Volker Kutscher den Roman »Der nasse Fisch« und legte damit den Grundstein zu einer bemerkenswerten Serie, die im Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre spielt, einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche. Kutschers Held, Kriminalkommissar Gereon Rath, muss schleunigst aus Köln verschwinden und bekommt durch die Beziehungen seines Vaters bei der Berliner Polizei eine zweite Chance. Doch schon bald gerät der junge, ehrgeizige Kommissar in neue Schwierigkeiten, als er sich mit den falschen Leuten anlegt. Die Stadt erlebt Rath dabei wie im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten – ein Tanz auf dem Vulkan.

 

 

Der Nasse Fisch Arne Jysch Carlsen

Eine fesselnde Graphic Novel

Anfang des Jahres erschien »Der nasse Fisch« nun als Comic-Adaption und sorgte sofort für großes Aufsehen. Als Wahlberliner war der Zeichner Arne Jysch schon immer von der Geschichte der Stadt fasziniert, insbesondere vom Leben in den Zwanzigern, einer Zeit, als plötzlich alles offen und möglich schien. Die neue Sachlichkeit, das Bauhaus, Frauen mit kurzen Haaren, der Rundfunk und eine lebendige Unterhaltungsindustrie. »Aus heutiger Sicht hat man oft das Gefühl«, sagt Jysch, »es herrschte damals ein Stilwillen und eine Eleganz, die uns abhanden gekommen ist.« Natürlich wissen wir heute, worauf das Ganze hinauslief, doch gerade das mache den reizvollen Grusel an Geschichten aus den Zwanzigern aus, so Jysch.

 

Schon 2009 nahm Arne Jysch Kontakt zu Volker Kutscher auf und machte ihm den Vorschlag, »Der nasse Fisch« als Comic zu adaptieren. Kutscher, selbst großer Comic-Fan, lehnte allerdings ab, das Szenario selbst zu schreiben, also blieb es an Jysch, die Geschichte umzusetzen. Er erinnert sich: »Es war ein großes Unterfangen, den wendungsreichen Plot und die Vielzahl von Charakteren auf die geplanten 200 Comicseiten zu adaptieren. Es hat knapp zwei Jahre gebraucht, das Szenario zu entwickeln und die Rohskizzen der Seitenlayouts anzulegen. Viele Figuren und Szenen konnten gekürzt oder zusammengefasst werden. Sehr früh kam dabei die Idee der Ich-Erzählerstimme hinzu, die es im Roman nicht gibt. Dank ihr konnte ich einige Szenenübergänge flüssiger gestalten und Informationen vermitteln, die sonst viele Panels gebraucht hätten. Ohne Raths Voice over wäre es wohl ein Comic mit 800 Seiten geworden.«

 

 

 

 

Der Nasse Fisch Arne Jysch Carlsen

Doch Jysch veränderte nicht nur die Erzählperspektive und sagt: »Meiner Einschätzung nach fällt der Hauptfigur Gereon Rath im Roman zu viel in den Schoß und aus dramaturgischer Sicht muss er für seine Vergehen und moralischen Verfehlungen zu wenig einstecken. Das wollte ich ändern.« Im Comic wird dem Protagonisten also recht übel mitgespielt, eine neue Wendung, die der Adaption aber durchaus gut tut. Sehr nahe an der Vorlage und an der Wahrheit blieb Jysch jedoch bei den historischen Aspekten der Geschichte. Den Chef der Mordkommission, den legendären Ernst Gennat, gab es beispielsweise wirklich. Er war einer der ersten, die moderne Methoden der Polizeiarbeit einführten, was Arne Jysch in Büchern und in der Polizeihistorischen Sammlung akribisch recherchierte. 

 

Noch mehr Arbeit bedeutet es, sich in die visuellen Aspekte der Zeit hineinzudenken und Jysch erklärt: »Bei der Vorbereitung für einen Comic wird meistens die visuelle Recherche unterschätzt. Fahrzeuge, Inneneinrichtungen, Frisuren, Hüte, Alltagskleidung, polizeiliche Dokumente usw. Das muss ich ja alles aus vielen verschieden Winkeln zeichnen. Das erfordert eine Unmenge an Bildmaterial, das gefunden und organisiert werden will. Ich muss eine komplette Welt aus vielen kleinen Puzzleteilen neu erschaffen. Jede Figur musste ich typgerecht entwickeln, einkleiden, frisieren. Dabei wollte ich unbedingt vermeiden, dass sie wie kostümierte Leute von heute aussehen und habe mich ausschließlich an zeitgenössischen Abbildungen orientiert. Nicht nur für die Kleidung sondern auch um die Attitüden und den Ausdruck der Menschen von damals zu treffen. Bücher wie »Antlitz der Zeit« von August Sander und Filme wie »Menschen am Sonntag« waren dafür eine wertvolle Quelle.«

Babylon Berlin

Nun kommt »Der nasse Fisch« auch noch ins Fernsehen. »Babylon Berlin« gilt als bis dato teuerstes deutsches Serienprojekt aller Zeiten und weckt große Erwartungen. Regisseur Tom Tykwer ist bekannt für seine visuell starken Bilder und man darf gespannt sein, welche neuen Aspekte er der Erzählung abgewinnt. 

 

»Berlin Babylon« ist ab 13. Oktober auf Sky zu sehen, in der ARD läuft die Serie dann ab Herbst 2018. Wer sich schon jetzt auf das Berlin der Zwanziger visuell einstimmen möchte, dem sei die Graphic Novel wärmstens empfohlen. Eine fesselnde Dramaturgie, stimmungsvolle Bilder und eine Geschichte, die so spannend ist, das man sie nicht aus der Hand legen möchte.

 

Der nasse Fisch

von Arne Jysch, nach Volker Kutscher

216 Seiten, Hardcover, 17,99 Euro

erschienen im Carlsen Verlag