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Matthis Hamann Fluid

- Interview

Die strategische Rolle des Designs

Designer können Dinge hübsch machen, das auch, aber sie können noch weitaus mehr. Laut Matthis Hamann braucht das Land dringend ein neues Designverständnis, das es Designern erlaubt, eine neue Rolle einzunehmen und zu strategischen Partnern der Unternehmen zu werden. Wie dieses neue Designverständnis aussehen kann, erläutert der Kreative im Detail bei der ADC Design Experience im Oktober, wir konnten schon jetzt mit ihm über die Zukunft des Designs sprechen.

Matthis Hamann Fluid
Sennheisers TeamConnect Wireless: eine neue Dimension im Bereich Audio Conferencing, Fluid

Herr Hamann, Sie sind einer der Referenten der diesjährigen ADC Design Experience, bei der es darum gehen soll, ein neues Designverständnis für Deutschland zu entwickeln – nicht zuletzt um gegen das Silicon Valley und China bestehen zu können. Bei Fluid bieten Sie von der Strategieberatung bis hin zur Erstellung von Erscheinungsbildern und der Produktentwicklung eine riesige Bandbreite an Serviceleistungen. Ist das das Zukunftsmodel von Design – Designer, die in allen Bereichen mitentscheiden und mitentwickeln?

 

Ja eindeutig. 

 

 

Wenn es zum Beispiel um die Entwicklung von neuen Produkten oder Serviceleistungen geht, welchen Vorteil bringt es, Designer einzubeziehen, statt ausschließlich das Firmeneigene Knowhow zu nutzen?

 

Wir bei Fluid sind meist diejenigen, die die Nutzer-Sicht, beziehungsweise die genaue Darstellung von konkreten Nutzer-Bedürfnissen mit an den Tisch bringen und wissen, wie sich daraus Produkt- oder Servicelösungen ableiten lassen. Ich sehe daher Designer nach wie vor sehr stark als »Botschafter« der Nutzer und es ist eben oft der externe Designpartner, der das Know-how hat, wie sich aus dem Wissen über Nutzer und der Zusammenarbeit mit ihnen Lösungen für Unternehmen »übersetzen« lassen.

 

Dieser Übersetzungsprozess ist die klassische Schwachstelle in Unternehmen.

 

Wir erleben außerdem, dass wir als externe Designpartner oftmals zwischen den verschiedenen Disziplinen und Bereichen innerhalb eines Unternehmens vermitteln können und die Interessen aller Beteiligten, die Lösungen entwickeln, im Blick haben. Designer sollten sich bewusst sein, dass sie diese Rolle einnehmen können.

Matthis Hamann Fluid
Der smarte Blutgasmonitor TCM5 Flex von Radiometer für hochsensitive Patienten, Fluid

Brauchen deutsche Firmen tatsächlich ein »neues Designverständnis«, schließlich besitzt gerade Deutschland ja eine sehr lange Designtradition (Bauhaus, Ulm, auch unsere Zeitschrift gibt es schon seit 1924)?

 

Ja. Die Rolle als Designer ist komplexer geworden. 

 

Einmal sind wir ein Technologie-orientiertes Land in dem oftmals die technische Entwicklung in vielen Firmen die strategischen Entscheidungen für Lösungen und Produkte und sogar Innovationsprozesse dominiert und die Rolle des Designers zum »Schönmacher« degradiert. Die wichtige strategische Rolle des Designs müsste hier sehr viel stärker von Unternehmen verstanden und integriert werden. Der Designer muss aber auch seine Wichtigkeit erkennen und seine Stärken zeigen.

 

Zum Anderen muss auch das Design erkennen, dass es seine strategische Rolle als übergreifende Disziplin zwischen Nutzer-Bedürfnissen, Unternehmensstrategie und Technologie annimmt und anwendet.

 

 

Sie haben auch in den USA und den Niederlanden gearbeitet, bewertet man Design dort anders?

 

Ja, besonders in den USA scheint Design ein Stückchen mehr im allgemeinen Verständnis als Beruf verstanden zu werden und Industrial Design in der Kultur verankert zu sein. In Unternehmen hat Design auch oft einen höheren Stellenwert als wichtige strategische Komponente. Das zeigt sich nicht zuletzt in den Budgets für Design, die häufig sehr viel höher sind als hier in Deutschland oder Europa.

 

 

Wenn Designagenturen Produkte und Dienstleistungen entwickeln, verlieren die Unternehmen dann nicht an Kompetenz (ähnlich wie bei Autobauern und Zulieferern)?

 

Oft verfügen Unternehmen ja überhaupt nicht über Designkompetenz und haben auch nicht vor, sie aufzubauen. Unser Ziel bei Fluid ist es immer, in langfristige strategische Partnerschaften mit unseren Kunden zu treten. So passiert genau das Gegenteil von Kompetenzverlust: Im Unternehmen wird Design und Innovation als strategischer Prozess etabliert und in der langfristigen engen Zusammenarbeit wachsen gegenseitiges Vertrauen und Effizienz.

Matthis Hamann Fluid
Der 4K Alta TV von BOE zelebriert intelligenten Minimalismus, Fluid

Wie wird Ihrer Meinung nach der Beruf des Designers in der Zukunft aussehen (etliche Tätigkeiten werden ja jetzt schon billiger/»besser« durch Programme erledigt)?

 

Der Designer wird und muss eine sehr viel strategischere Rolle einnehmen. Design-Strategie und Konzeption müssen von Menschen ausgeführt werden, um sinnvoll und erfolgreich zu sein. Algorithmen können das längst nicht so gut.

 

 

Was würden Sie sich für die Designbranche wünschen, wohin sollte der Weg gehen?

Ich sehe die Designhochschulen sehr stark in der Pflicht, Designer auszubilden, die die o.g. Rolle von Design als strategischer, facettenreicher Disziplin vermitteln und zeigen, dass Designer eine ganz wichtige Rolle im Design- und Innovationsprozess einnehmen können, wenn sie verstehen, ihre Kompetenzen richtig zu nutzen. 

 

Designer sollten erkennen, dass sie sehr viel mehr können als sie bisher oft umsetzen.

 

Verraten Sie uns noch, worüber Sie am 5. Oktober in Stuttgart bei der ADC Design Experience sprechen werden?

 

Über die sich wandelnde Rolle des Designs mit Beispielen unserer Arbeit bei Fluid Design.

 

 

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Matthis Hamann ist Managing Director bei Fluid, einer internationalen preisgekrönten Design- und Innovationsagentur mit Sitz in München und dem Silicon Valley. Das Team, bestehend aus 25 Designern, Researchern und Strategen mit internationaler Erfahrung, arbeitet in enger Partnerschaft für und mit Kunden verschiedenster Branchen und Größen. Startups, kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Weltkonzerne wie Procter&Gamble, Konica Minolta, Novartis, Siemens, Sennheiser, Deutsche Telekom oder Huawei zählen zu ihren Kunden. Die Agentur startete als unabhängiger Partner von Lunar Design in San Francisco, nun erfolgte unter dem Namen Fluid ein Relaunch.

 

 

Am 5. Oktober wird Matthis Hamann auf der ADC Design Experience sprechen. Dort werden international renommierte Referenten Unternehmen und Agenturen wie NIVEA, McKinsey, Microsoft und Agile Work repräsentieren. In inspirierenden Vorträgen wird erkundet, wie Design frühzeitig in unternehmerische Prozesse eingebunden werden kann, um traditionelle Strukturen aufzubrechen. Ganz nach dem diesjährigen Motto »Design disrupts … Design«. Zum ersten Mal gibt es am 6. Oktober zusätzlich die Möglichkeit, die erworbenen Erkenntnisse in einem Seminar zu vertiefen.

Infos und Tickets unter www.adc.de/design-experience

  

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