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De Stijl Gemeentemuseum De Stijl Gemeentemuseum

Cornelis van Eesteren und Theo van Doesburg, Entwurf einer Universitätshalle in Amsterdam, 1923

- Graphic Design

Das Verlangen nach Stil

Die revolutionären Ideen der Künstlergruppe De Stijl zu den Themen Architektur und Innenarchitektur sind weltberühmt. Holländische Architekten und Designer wie Gerrit Rietveld, Theo van Doesburg, Cornelis van Eesteren und J.J.P. Oud waren die Wegbereiter für alle folgenden Künstlergenerationen. Wie kam es dazu, dass sie so vollkommen anders dachten?

 

Noch bis 17. September präsentieren das Gemeentemuseum Den Haag und das Het Nieuwe Instituut, das die weltweit größte Architektursammlung beherbergt, eine einmalige Übersicht von Zeichnungen, Modellen und Möbeln dieser einflussreichen Künstlergruppe.

 

Zum ersten Mal zusammen ausgestellt ermöglichen diese Werke interessante Einsichten: Alles, was eindeutig und einfach aussieht, erweist sich als doppeldeutig und komplex. Und was neu zu sein scheint, ist manchmal schon da gewesen. Fortschrittlich, optimistisch, eigenwillig, idealistisch – das alles sind Begriffe, die De Stijl kennzeichnen. Was 1917 zunächst Name einer eigenen Zeitschrift war, wurde zum Programm einer Kunst und ist heute weltweit als Ikone der Moderne bekannt.

De Stijl Gemeentemuseum
Kopie des Jungenschlafzimmers in der Villa Arendhoeve, Farbdesign Vilmos Huszár, Möbeldesign P.J.C. Klaarhamer, 1920

Architektur und Innenarchitektur. Das Verlangen nach Stil

Die angewandte Kunst und das moderne Design dieser unerschrockenen Künstler fokussiert ihr Verlangen nach Stil. Die Ausstellung geht, auf der Grundlage von unterschiedlichen Themen wie Farbe, Raum, Transparenz und technische Innovation, auf die Suche nach den Wurzeln von De Stijl im 19. Jahrhundert. Besucher erfahren, wie die Künstler und Designer von De Stijl aus den Erfahrungen von Künstlern vergangener Zeiten lernten, sich existierende Techniken aneigneten und dann ihre eigenen Konzepte, Themen und Ideen von Ingenieuren und Fachleuten aus den eigenen Reihen neu interpretierten. Gleichzeitig werden auch Unterschiede deutlich: im Gegensatz zu ihren Vorgängern und Zeitgenossen, die meist auf der Suche nach funktionellen Lösungen von Problemen waren, betrachteten die Mitglieder von De Stijl die Kunst an sich als die Lösung aller Probleme.

 

Die Ausstellung umfasst Zeichnungen, Modelle, Gemälde, Objekte und Möbel von De Stijl-Mitgliedern und von Künstlern, die sich mit De Stijl verbunden fühlten, sowie Konstruktionszeichnungen und räumliche Objekte seit dem späten 19. Jahrhundert. So offenbart sich nicht nur, wie es den Mitgliedern von De Stijl möglich war, ihre radikal neue Formensprache zu entwickeln, sondern auch wie sie existierende Techniken und Materialien verwendeten, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Viele Ideen der Architekten und Designer von De Stijl haben sich im Nachhinein als richtungweisend für die internationale Architektur erwiesen und spiegeln sich bis heute wider in der Art, wie wir wohnen und leben.

De Stijl Gemeentemuseum
Cornelis van Eesteren und Theo van Doesburg, Wettbewerbsentwurf einer Shopping-Arkade in Den Haag, 1924

De Stijl

In der Zeit um den 1. Weltkrieg herum beginnt man sich in den neutralen Niederlanden nach Veränderungen zu sehnen. Eine neue Künstlergeneration, Architekten und Designer, wollen die bis dahin herrschende Tradition der »Gemeinschaftskunst« – in der die unterschiedlichen Kunstformen gemeinsam die Besonderheit des Volkes unterstreichen sollten – weiterentwickeln, jedoch mit einer radikal veränderten Bildsprache. So finden diese Künstler zum Beispiel Häuser mit aufwändigen Verschnörkelungen oder rotbraunen Ziegelsteinfassaden und dunkle Innenausstattungen absolut nicht mehr zeitgemäß.

 

Das tägliche Leben soll in einer hellen, offenen Umgebung stattfinden, eingebettet in ein Design aus abstrakter Formensprache, die Kunst, Architektur und Design zu einem großen Ganzen vereint.1917 bittet der Künstler, Architekt und Kritiker Theo Van Doesburg (1883-1931) unterschiedlichste Avantgarde-Künstler aus den Niederlanden, einige Artikel für seine Kunstzeitschrift DE STIJL zu verfassen. Auf der Titelseite steht, dass De Stijl dazu beitragen möchte, ein »neues Schönheitsbewusstsein zu entwickeln«, mit dem Ziel »den modernen Menschen für das Neue in der bildenden Kunst empfänglich zu machen«.

De Stijl Gemeentemuseum
Theo van Doesburg, Modell von Maison d'artiste, 1923

Design = Kunst

Aus der Zeitschrift geht eine Bewegung hervor, in der Künstler und Designer die Auffassung teilen, dass Kunst und Leben ebenbürtig sind. Sie propagieren einen neuen universellen Stil als Antwort auf das Leben in einer modernen Gesellschaft – einen Stil, in dem Architektur und Malerei einander gleichgestellt sind und der jegliches Design im weitesten Sinne zur Kunst erhebt. Ihr Arbeitsfeld umfasst nicht nur die Malerei, die Bildhauerei oder die Architektur, sondern auch das Entwerfen von Möbeln, Mode, Werbetexten, Verpackungen, Häusern, Straßen, ja sogar ganzen Städten. Sie argumentieren damit, dass die Gestaltung der Umgebung von Menschen einen direkten Einfluss auf die Art und Weise hat, wie sie leben. Dabei spielte ihrer Ansicht nach nicht nur die Wohnung und das Design der Innenausstattung ihrer Ansicht nach eine wichtige Rolle, sondern auch die Farbe, weil sie neue, abstrakte Malerei in die Architektur integrierte.

 

»Die Flächen, mit denen wir als Raumkünstler unsere Ergriffenheit darstellen, werden die Malerei beleben und zu einem wesentlichen Bestandteil des Raumes machen«, so schrieb der Architekt J.J.P. Oud (1890-1963) im Jahre 1916. Die Malerei ist nicht länger nur figurative Dekoration für Architekten, und Architektur ist nicht einfach nur ein Träger der Gemälde: »So wird die Malerei die Architektur ergänzen und so größere und heftigere Ergriffenheitsmomente ermöglichen, und zur gleichen Zeit wird die Baukunst für sie eine Atmosphäre schaffen, in der sich der Geist dafür öffnet, auf eine neue Art die Kunst zu erfahren.«

De Stijl Gemeentemuseum
J.L.M. Laufwerks, Wohnhaus Stein in Göttingen, 1911-14

Neue Formensprache

Die Ausstellung »Architektur und Innenarchitektur. Das Verlangen nach Stil« zeigt auch, dass das Neue, nach dem die Designer von De Stijl strebten, nicht notwendigerweise aus dem Nichts entstanden ist. Auch wenn die Künstler Querdenker sind und ihre Entwürfe progressiv und eigenwillig, so bauen sie doch auf die Vergangenheit auf. Technische Innovationen und neue Materialien ermöglichten bereits seit dem 19. Jahrhundert die Öffnung bis dato geschlossener Giebelfronten – so konnten zum Beispiel großflächige Schaufensterkonstruktionen geschaffen werden. Der Möbeldesigner und Architekt Gerrit Rietveld (1888-1964) kreierte seine innovativen Formenkombinationen aus einfachem Sperrholz. Oud ordnete die funktionellen Bestandteile von Giebeln (Tragebalken, Fenster und Türen) neu an, um eine klare und visuell abstrakte Giebelkomposition zu erreichen. Und Qualifikationen wie »Schnörkellosigkeit« und die von Van Doesburg eingeführte »Maschinenästhetik« lassen sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Innenausbau von Sanatorien- und Krankenhauseinrichtungen erkennen.

 

Das Gemeentemuseum, das selbst im Besitz einer einmaligen De-Stijl-Sammlung ist, arbeitet für diese Ausstellung sehr eng mit Het Nieuwe Instituut in Rotterdam zusammen. Het Nieuwe Instituut ist ein Museum für Architektur, Design und digitale Kultur und beherbergt die größte Architektursammlung der Welt. Aus den Archiven des Nieuwe Instituut stammen unter anderen originale Konstruktionszeichnungen und Modelle von Theo van Doesburg, J.J.P. Oud, Jan Wils, Cornelis van Eesteren, Gerrit Rietveld und Vilmos Huszár.

 

Im Jahre 2017 wird das 100-jährige Bestehen des niederländischen Designs als zukunftsweisende Kunstform gefeiert. Anlass ist die Gründung von De Stijl im Jahre 1917, deren Hauptmerkmale sich bis heute im niederländischen Design wiederspiegeln. NBTC Holland Marketing und Partner präsentieren deshalb das Jubiläumsjahr von De Stijl 2017 unter dem Motto »van Mondriaan tot Dutch Design« (von Mondrian zum Dutch Design). Für Besucher wird in diesem Jahr die Erfolgsgeschichte einer Zeitenwende erfahrbar. An unerwarteten Orten in den Niederlanden können die Besucher die vielfältige Kunst aus der De-Stijl-Periode bis hin zum Design der Gegenwart entdecken. In Museen und Architekturdenkmälern sowie bei diversen Veranstaltungen werden zu diesem Thema Werke von namhaftesten Künstlern ausgestellt; Künstler des 21. Jahrhunderts öffnen die Türen ihrer Ateliers, und würdigen auf diese Art individuell ihre großen Vorbilder Mondrian, van der Leck, Rietveld und Van Doesburg.

 

Architektur und Innenarchitektur. Das Verlangen nach Stil

Gemeentemuseum Den Haag

zu sehen bis 17. September 2017

www.gemeentemuseum.nl

 

 

De Stijl Gemeentemuseum
Theo van Doesburg, Entwurf der Wand mit Galerie des großen Saals in der Aufbette, 1927