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Produktion des Berliner Fashion-Magazins OE

- Print & Production

Geschickt eingefädelt

Lose Blätter durch eine Naht zu verbinden, gilt als die älteste Buchbindetechnik. Gegenüber der Klebebindung punkten fadengeheftete Bücher mit sehr gutem Aufschlagverhalten und Langlebigkeit. Der Faden hält die Blätter auch für lange Zeit und bei intensivem Gebrauch sicher zusammen. Besonders ansprechend ist die offene Fadenheftung. Hier wird der Buchrücken nicht von einem Gewebeband abgedeckt und deshalb als offen bezeichnet. Charakteristisch sind die sichtbaren Fäden. Vorder- und Rückseitencover werden mit der ersten Seite des Inhalts verklebt. Technisch sind auf diese Weise Softcover und Hardcover möglich. 

ΠMagazine, Design: Studio Maven

16 – 8 – 4

 

Um den Inhalt überhaupt binden zu können, braucht es Heftlagen. Ein sogenanntes Heft besteht aus mehreren Lagen Papier, die zusammengelegt, gefalzt und vernäht werden. In der Regel besteht ein Heft aus vier Lagen Papier. Werden diese in der Mitte gefalzt, kommt man auf 16 Seiten. Mehrere solcher Hefte werden dann am Rücken fadengeheftet. Wenn Sie eine Fadenheftung planen, sollte Ihre Seitenanzahl also im Idealfall durch 16 teilbar sein. Geht sich das mit der Gesamtseitenzahl nicht aus, dürfen es auch einmal zwei Lagen Papier, also acht Seiten sein. Eine einzelne Lage (vier Seiten) unterzubringen, geht zur Not auch noch. Allerdings spielt da die Materialstärke eine große Rolle. 

80 – 175 – 200 – 250

 

Wie dick darf das Papier denn nun sein? Dünndruckpapier wird beim Nähen zu sehr strapaziert, daher sollte das Materialgewicht mindestens bei 80 g/qm liegen. Das optimale Gewicht ist abhängig von der Seitenanzahl eines Heftes. Bei 16-Seitern sind 80 bis 175 g/qm die beste Wahl. Für 8-Seiter ist ein Gewicht von 180 bis circa 220 g/qm auszuwählen. Bei 4-Seitern sollte Material mit circa 250 g/qm eingesetzt werden. Beim Einsatz höherer Grammaturen kommt die Materialverdrängung ins Spiel. Perfekt, wenn Ihr Layout das auch berücksichtigt! Generell kann man sagen: Wenn Sie vom Standard abweichen möchten, halten Sie mit Ihrem Buchbinder Rücksprache! 

»bestarchitects«. Design: zinnobergruen GmbH

Zum Faden


Bitte beachten Sie, dass man die Fadenenden am Buchrücken sieht, das lässt sich nicht vermeiden. Die hochwertigen Heftfäden gibt es in allen Regenbogenfarben. Mit einem farbigen Faden setzen Sie daher ohne großen Aufwand einen schönen Akzent. Um die Haltbarkeit zu verbessern, wird die Fadenheftung meist mit einer Hotmelt-Klebebindung kombiniert. Alternativ kann die Fadensiegelung zum Einsatz kommen, bei der Spezialfäden mit schmelzbarem Klebeanteil eingesetzt werden. Unter Hitzeeinwirkung schmilzt der Klebstoff und versiegelt die Fäden am Buchrücken. Die einzelnen Lagen werden allerdings anders als bei der Klebebindung nicht vorher miteinander vernäht. Lose Fadenenden stehen bei beiden Verfahren nicht als Stummel rum, sondern sind im Hotmelt beziehungsweise in der Fadensiegelung eingebettet, aber immer noch sichtbar. 

ΠMagazine, Design: Studio Maven

Raffinement

 

Bei der offenen Fadenheftung können Sie ein Motiv auf den äußersten Lagen eines Heftes mitdrucken. Der Druck wird mit 2 bis 3 mm Überfüller auf beiden Seiten des Falzes angelegt. Am genähten Rücken wird es dann entsprechend zu sehen sein. Mit etwas Tüftelei ein schöner Nebeneffekt. Einfacher ist es natürlich, wenn der Buchrücken direkt im Tampondruck bedruckt wird. Egal wie, wenn Sie für das Cover noch ein schönes Material auswählen, schaffen Sie mit einer offenen Fadenheftung immer ein unverwechselbares Produkt.

Über die Autorin: Sylvia Lerch (www.sylvialerch.de) ist seit über 20 Jahren in außergewöhnliche Werkstoffe verliebt. Mit ihrer Münchner Agentur bringt sie Material und Produktion in Einklang und setzt die Vorstellungen ihrer Kunden aus allen Bereichen um. In ihrer monatlichen Kolumne beleuchtet sie für novum Themen rund um Papier und Produktion. Einzelhefte der novum: http://novum.graphics/magazin/shop-abo/